Was geschieht hier?
Eine Gruppe von Lehrern hat begonnen, der Botschaft des Apostels Paulus öffentlich zu widersprechen (Galater 1,6-7). Paulus lehrte, dass allein das Vertrauen auf das Leben und Sterben von Jesus die Voraussetzung dafür ist, zur Familie Gottes zu gehören. Sie aber lehrten, der Glaube an Jesus sei nur der erste Schritt von zwei. Der zweite Schritt bestehe darin, die Kennzeichen der geschichtlichen Familie Gottes, der Juden, anzunehmen: den Sabbat zu halten, die jüdischen Feste zu feiern, koscher zu essen und sich der Beschneidung zu unterziehen (Galater 5,2-3). Sie behaupteten außerdem, Paulus habe diese biblischen Gebote nur deshalb umgangen, um seine Botschaft für seine nichtjüdischen Zuhörer schmackhafter zu machen (Galater 1,10). Der Galaterbrief ist die Antwort des Paulus auf diese Argumente.
Paulus beginnt damit, dass seine Botschaft direkt von Gott kommt und nicht durch seinen Dienst unter Nichtjuden verändert wurde (Galater 1,11-12). Jesus selbst hat Paulus nach seiner Auferstehung von den Toten dazu berufen, Bote der Frohen Botschaft zu sein: Jesus hat sich selbst hingegeben, um uns aus dem Bösen dieser Zeit zu befreien und zu einem Teil seiner Familie zu machen (Galater 1,1-5). Paulus lässt nicht davon ab: Kennzeichen jüdischer Identität sind nicht nötig, um zur Familie Gottes zu gehören. Diese Botschaft kommt direkt von Gott, und es gibt kein anderes Evangelium (Galater 1,8-9).
Seit Gott ihn gerettet hat, hat Paulus dieses Evangelium mit Leidenschaft verkündet. Er ist vom göttlichen Ursprung seiner Botschaft so überzeugt, dass er nicht einmal die anderen Apostel um Rat fragte (Galater 1,15-17). Als er es drei Jahre später tat, bestätigten sie, dass die Botschaft des Paulus mit ihrer übereinstimmte (Galater 1,18-24). Und als Paulus elf Jahre später seinen Dienst offiziell ihrer Prüfung unterstellte, fügten sie seinem Verständnis des Evangeliums nichts hinzu und verlangten auch nicht die Beschneidung seines griechischen Mitarbeiters (Galater 2,1-6). Vielmehr bestätigten sie, dass die Botschaft des Paulus an die Nichtjuden dieselbe war wie ihre Botschaft an die Juden (Galater 2,7-10): dass der Zugang zur Familie Gottes nicht von jüdischen Kennzeichen der Identität abhängt, sondern allein vom Glauben an Jesus (Galater 2,16).
Paulus stellte sogar die Apostel zur Rede, wenn sie nicht im Einklang mit dieser Überzeugung lebten. Einmal weigerte sich der Apostel Petrus, mit einer Gruppe von Nichtjuden ein gemeinsames Mahl zu teilen, aus Sorge, diejenigen zu verärgern, die die Beschneidung forderten (Galater 2,11-13). Doch Paulus sprach ihn offen darauf an. Sich zu weigern, mit Nichtjuden zu essen, heißt zu behaupten, Nichtjuden müssten sich erst wie Juden verhalten, wenn sie an deren Familienmahlzeiten teilnehmen wollen (Galater 2,14). Selbst die Apostel waren versucht, die Botschaft von Jesus abzumildern – Paulus nicht. Wenn die Galater jemandem vertrauen sollen, dann Paulus. Er hat sich beständig geweigert, die Frohe Botschaft von Jesus zu verändern.
Wo ist das Evangelium?
Sowohl Petrus als auch Paulus wissen, dass die Zugehörigkeit zur Familie Gottes nicht davon abhängt, jüdische Gesetze zu halten, sondern allein vom Glauben an Jesus (Galater 2,15-16). Es ist falsch, wenn Juden, die an Jesus glauben, sich von Nichtjuden absondern, weil diese ihre Kennzeichen jüdischer Identität nicht annehmen. Damit würde man leugnen, dass Jesus durch sein Leben und Sterben alle Menschen vereint hat, ohne auf ihre ethnische Herkunft zu achten (Galater 2,17-19).
Das Vertrauen auf Jesus – und nicht das Erfüllen bestimmter Kennzeichen jüdischer Identität – macht uns zu einem Teil der Familie Gottes (Galater 2,20). Die, die Gottes Gesetze brechen, sind nicht die Unbeschnittenen, sondern die, die auf der Beschneidung und anderen Kennzeichen der Zugehörigkeit bestehen (Galater 2,18). Dem Glauben an Jesus etwas hinzuzufügen, das man leisten muss, macht den Tod von Jesus bedeutungslos (Galater 2,20-21).
Jesus ist gestorben, damit wir für immer als Teil seiner geeinten Familie leben können. Er hat eine alte Epoche beendet, die von ethnischen Unterschieden geprägt war, und sie durch eine neue Zeit ersetzt, die vom Glauben geprägt ist (Galater 1,4; 5,6). Jede Epoche des Volkes Gottes wird der Versuchung ausgesetzt sein, neue Trennungen zu schaffen. Es wird immer Menschen geben, die sich mit einem falschen Evangelium zufriedengeben, das die Guten und die Bösen danach unterscheidet, an welchem Tag du Gott anbetest, welche Speisen du isst oder sogar wen du wählst. Doch die Frohe Botschaft ist: Jesus zu vertrauen genügt. In ihm sind wir den Trennungen dieser Epoche gestorben. Und durch den Glauben an ihn sind alle Menschen zu seiner Familie vereint worden – die alten Feindschaften sind getötet und durch eine aufopfernde Liebe zu allen Menschen ersetzt.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der uns nur ein einziges Evangelium gegeben hat. Und mögest du Jesus als den Einzigen sehen, dem du vertrauen musst.


