Was geschieht hier?
Israel hat Gott als seinen König verworfen. Einer nach dem anderen weisen Israels Führer die Herrschaft Gottes zurück und ersetzen sie durch Begierde, Abgötterei und brutalen Ehrgeiz. Doch jetzt, in den letzten Kapiteln, sehen wir, dass das Volk Israel nicht anders ist als seine Führer.
Ein Mann namens Micha fertigt ein Götterbild an, baut ein Heiligtum und weiht es seltsamerweise Jahwe (Richter 17,3). Dann versucht Micha, sein Heiligtum zu legitimieren und Gott dazu zu bewegen, ihn zu segnen: Er bezahlt einen Mann aus dem Stamm Levi, damit dieser seine kultischen Riten vollzieht (Richter 17,13).
Micha kennt Gottes Gesetz gut genug, um zu wissen, dass die Leviten Gottes erwählte Priester sind – aber es kümmert ihn nicht, dass er Gottes erstes Gebot gebrochen hat, sich keine Götterbilder zu machen. Micha und sein Priester sind der Beweis dafür, dass Israel Gott als seinen König verworfen hat und sich nun mehr auf sich selbst verlässt als auf Gott (Richter 17,6).
Doch seltsamerweise wirken die Schlachtopfer, die Micha an seinem falschen Altar darbringt. Der Stamm Dan sucht eine neue Heimat. Die Anführer der Daniter beten in Michas Heiligtum an und hoffen auf Wegweisung – und sie bekommen sie (Richter 18,5-6). Sie schicken Spione in das Gebiet von Lajisch und stellen fest, dass es reif zur Einnahme ist (Richter 18,10).
Dan sammelt schnell seine Truppen und stiehlt sogar Michas falsches Götterbild und seinen bezahlten Priester (Richter 18,18). Scheinbar mit Gottes Gegenwart im Rücken überrennen sie voller Zuversicht Lajisch (Richter 18,27). Danach wird der Enkel von Mose zum Priester über die Daniter gesalbt (Richter 18,30).
Oberflächlich betrachtet haben die Daniter alles, was Gott ihnen versprochen hat. Sie haben eine Heimat, einen tempel mit der Gegenwart ihres Gottes und einen Nachkommen von Mose, dem Gründervater Israels, als einen ihrer Führer. Doch die Frage lautet: um welchen Preis?
Dieser Stamm Israels hat die Welt gewonnen, aber seine Seele verloren.
Wo ist das Evangelium?
Weil Israel sich nicht mutig gegen die religiösen, kulturellen und ethischen Vorlieben Kanaans stellt, übernimmt es dessen Überzeugungen vollständig. Israels Priester sind Söldner, seine Führer sind opportunistisch, und das Volk besteht aus Dieben und Menschen, die Abgötterei treiben.
Diese Geschichte zwingt uns zu der Frage: Sind wir bereit, unsere Seele zu verlieren, wenn wir dafür ein Königreich gewinnen? Ist politische Macht es wert, die wahre Anbetung Gottes zu opfern?
Wenn wir ehrlich sind, ist es schwer zu sagen, ob wir wirklich so anders sind als Israel. Entweder sind wir nicht bereit, uns den kulturellen Vorlieben unserer Zeit entgegenzustellen, und übernehmen sie darum kritiklos – oder wir sind nicht bereit, den Verlust politischer Macht in Kauf zu nehmen, und übernehmen stattdessen die Gewalt vollständig.
Wir alle wollen ein Königreich bauen, das in unseren eigenen Augen richtig ist. Wir versuchen, ein Königreich ohne seinen rechtmäßigen König zu bauen. Jesus selbst warnt: Wenn wir nicht bereit sind, politischer Macht oder kultureller Akzeptanz zu sterben, gewinnen wir vielleicht eine Zeit lang, aber wir verlieren unsere Seele (Matthäus 16,25-26). Stattdessen lädt Jesus uns ein, eine andere Art von Tod zu sterben – ein Sterben gegenüber den Machtspielen des Stammes Dan und der kulturellen Abgötterei Michas. Wenn wir bereit sind, diesen Antrieben zu widerstehen, unser Kreuz aufzunehmen, wie Jesus es getan hat, und allen Vorhaben außer denen Gottes zu sterben, dann werden wir nicht nur unsere Seele retten, sondern die ganze Welt gewinnen (Matthäus 16,24).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der König ist. Und dass du Jesus als den König erkennst, der sein Kreuz aufnahm, damit alle, die ihm folgen, ihre Seele behalten und die Welt gewinnen.

