Was passiert hier?
Wir lernen die ersten vier Richter Israels kennen – Othniel, Ehud, Schamgar und Deborah. Die Berichte über ihre Führung folgen demselben Muster, das bereits in Kapitel 2 vorgezeichnet wurde. Israel tut, was in Gottes Augen böse ist (Richter 3,7). Gott schickt ein Heer, um Israel zu züchtigen (Richter 3,13). Nach Jahren der Unterdrückung schreit Israel um Barmherzigkeit (Richter 4,3). Dann lässt Gott einen neuen Richter aufstehen, der Israel aus der Hand seiner Feinde rettet (Richter 3,15.30).
Israels erster Richter, Othniel, ist vorbildlich. Er ist ein Verwandter Kalebs, der mit Josua das Land Kanaan ausspähte und dem Herrn vertraute. Auch ihn erfüllt derselbe Heilige Geist wie Josua (Richter 3,10). Doch weder seine geistliche Herkunft noch seine Treue genügen, um Israel einen bleibenden Sieg zu sichern. Nach seinem Tod wird Israel noch böser als vorher.
So werden die nächsten drei Richter zu einer ironischen Zurechtweisung für das untreue Israel. Zunächst ist diese Ironie fast komisch. Ehud, der zweite Richter, ist ein Linkshänder aus dem Stamm Benjamin (Richter 3,15). Benjamin bedeutet „Sohn der rechten Hand“. Und dieser linkshändige Sohn aus der Sippe der rechten Hand überlistet und ermordet den fetten Feindkönig Eglon. Dieser König – sein Name bedeutet „Kälbchen“ – bleibt nach seinem Tod von seinen Dienern unbehelligt liegen, weil es gewöhnlich so roch, wenn Eglon auf der Toilette war (Richter 3,24).
Ehuds Linkshändigkeit deutet nicht nur auf einen Bruch mit seinem Stamm hin, sie ist auch ein Bild für die zerbrechende Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Gott hat Israel gerettet, aber der Anführer, den er erwählt, ist der Anführer, den Israel verdient.
Darum ist Israels nächster Richter, Schamgar, der Sohn einer Frau, die nach einer kanaanitischen Göttin benannt ist (Richter 3,31). Er ist zugleich ein Zeichen für Israels Abgötterei und ein Gerichtsurteil über die Religion der Kanaaniter.
Deshalb ist auch die nächste Richterin, Deborah, eine Frau, die weissagt, dass Sisera, der damalige Feindkönig Israels, von einer anderen Frau, Jael, getötet werden würde (Richter 4,9). Jael treibt Sisera einen Zeltpflock durch den Schädel, nachdem sie ihn mit warmer Milch in den Schlaf gewiegt hat (Richter 4,17.21). Die Kanaaniter schätzten Frauen gering und zwangen sie oft zur Tempelprostitution. So sind Deborah und Jael Gottes Gericht über die kanaanitische Anbetung – und gleichzeitig eine Anklage gegen die Untreue und Feigheit der Männer Israels.
Jeder dieser Richter ist ein Gerichtsurteil über Kanaan und über Israel. Gott besiegt Israels Feinde, aber er tut es, indem er Israel die Anführer gibt, die es verdient.
Wo ist das Evangelium?
Auch uns gibt Gott die Anführer, die wir verdienen. Du musst nicht viele Zeitungen lesen, um diese Wahrheit zu erkennen. Manchmal ist es fast komisch, wie die Verantwortlichen die Kultur widerspiegeln, aber meistens ist es entmutigend und erschöpfend. Wir wollen die Anführer, die wir verdienen, nicht mehr; wir wollen einen Herrscher, der diesen Kreislauf durchbricht und uns als Volk herausführt aus unserer Untreue, unserer Feigheit und unserer Zerrissenheit.
Und dieser Anführer ist Jesus. Im Garten Eden versprach Gott Adam und Eva, dass eines Tages ein Richter geboren würde, der der Schlange den Kopf zertritt (1. Mose 3,15). Eines Tages würden die Untreue, die Feigheit und die Zerrissenheit der Schlange vernichtet werden. Wenn Jael Siseras Schädel zerschlägt, beweist das, dass Gott seinen Plan, der Schlange den Kopf zu zertreten, nicht vergessen hat (Richter 5,26). Doch anders als bei Israels Anführern und unseren heutigen Anführern ist die Verheißung dieses Schlangenzertreters unverdient.
Der Richter Jesus wurde Adam und Eva zugesagt, während sie ungehorsam waren. Und Gott sagt, dass dieser wahre Herrscher sich selbst für sein rebellisches Volk opfern würde (1. Mose 3,15). Als Jesus’ Fersen am Kreuz durchbohrt wurden, spießte er den Kopf der Schlange auf. Ironischerweise hat Jesus die Herrschaft und Macht unseres Feindes durch Niederlage und Kreuzigung besiegt (Kolosser 2,15). Jesus ist der Anführer, den wir nicht verdienen, und er ist der einzige Richter, der sein Volk treu, mutig und eins machen kann.
Und wenn wir Jesus’ Urteilen vertrauen – nicht nur denen über unsere Kultur und unsere Anführer, sondern auch denen über uns selbst –, wird er uns retten. Er wird unser Anführer sein, und er wird unsere Feinde besiegen.
Sieh es selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der seine Feinde vernichtet. Und mögest du Jesus sehen, der in unsere Sünde und unseren Tod hinabsteigt, um uns hinein in seinen Sieg zu erheben.

