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Andacht

Richter 9

Abimelechs Scheitern

In Richter 9 sehen wir, dass Jesus uns in ein Reich willkommen heißt, in dem für uns nur noch Barmherzigkeit bleibt.

Was passiert hier?

Nach Gideons Tod erhalten seine 70 Söhne die Herrschaft über Israel. Einer von Gideons Söhnen, Abimelech, verschwört sich mit seiner Mutter und deren Verwandten, um seinen Vater zu stürzen. Schließlich beginnt er seine Herrschaft damit, 69 der Söhne seines Vaters auf einem Stein niederzumetzeln (Richter 9,5-6).

Doch Jotam entkommt Abimelechs Blutbad und warnt mit einer Fabel diejenigen, die nun Abimelech folgen (Richter 9,7). Jotam warnt: Ehrenwerte Männer nehmen eine Führungsrolle nur zögernd an (Richter 9,11). Abimelechs kometenhafter Aufstieg, Israels kritiklose Treue zu ihm und Abimelechs Machthunger werden sie eines Tages zerstören (Richter 9,20).

Genau das geschieht. Abimelech wird allmählich derselben Gewalt ausgeliefert, die er seinen Brüdern angetan hat (Richter 9,24). Gott hört auf, Israel Barmherzigkeit zu erweisen, und verheißt stattdessen Ausgleich und genau bemessene Vergeltung (Richter 9,56-57). In der ganzen Geschichte Abimelechs bleibt Gott bedrohlich still – außer um Israel auf dem selbst gewählten Weg der Selbstzerstörung weiter zu bestätigen.

Das bedeutet nicht, dass Gott bei Abimelechs immer grausameren Siegen abwesend ist (Richter 9,49). Vielmehr lenkt Gott Abimelechs Blutrausch zu dem Ende, das er verdient hat.

So wie Abimelechs Verschwörung von der Unterstützung der Familie seiner Mutter und vom Niedermetzeln seiner Brüder auf einem Stein abhing, so wird Abimelech von einer Mutter mit einem Stein getötet. Abimelech erhält eine genau bemessene Vergeltung für seine Verbrechen: Eine Frau zerschmettert ihm mit einem Stein den Schädel (Richter 9,53).

Wo ist das Evangelium?

Paulus sagt uns im Römerbrief, dass Gottes Gericht sich oft darin zeigt, dass er uns genau jenen Begierden „ausliefert“, denen wir nachjagen (Römer 1,24). Genau das geschieht mit Abimelech. Wenn wir die Götter dieser Welt auf den Thron setzen – Gewalt, Gier, Vorherrschaft –, dürfen wir nicht Barmherzigkeit erwarten, sondern den langsamen und brutalen Ausgleich, den diese Götter immer zurückgeben (Römer 2,6). Das Unheil, das wir anrichten, kehrt zu uns zurück.

Für die, die vom Bösen verwundet wurden, ist das wirklich eine Frohe Botschaft. Gott verspricht, dass Ungerechtigkeit nicht unbeantwortet bleibt; wer zerstört, wird in gleicher Weise zerstört werden.

Doch Jotams Warnung hängt über uns allen (Römer 3,23). Israel verwarf die rechtmäßigen Söhne Gideons und nahm einen falschen König an; wir verwerfen Gottes gute Herrschaft und schwören denselben grausamen Göttern die Treue, denen Abimelech diente. Wir vertrauen auf Macht, Begierde und Selbsterhöhung, um uns die Sicherheit und Erfüllung zu verschaffen, nach der wir uns sehnen. Und genau wie Jotam es vorhergesagt hat, wenden sich diese Götter am Ende gegen uns.

Doch Gottes Ausgleich ist nicht sein letztes Wort.

In eine Welt, die sich in ihrer eigenen Gewalt immer tiefer verstrickt, sendet Gott einen anderen Richter – Jesus. Er ist der rechtmäßige Herrscher, der Abimelech nur zu sein vorgab. Doch anstatt Macht an sich zu reißen oder Rache zu üben, tritt Jesus in die Welt hinein, die unsere Sünde verdorben hat. Und anstatt die Folgen unserer Auflehnung auf uns zurückfallen zu lassen, stellt er sich selbst darunter.

Jesus lässt zu, dass unsere Gewalt, unsere Angst und unsere Grausamkeit auf ihn zurückschlagen – als vollständige Offenlegung dessen, was die Menschheit gewählt hat. Am Kreuz nimmt er das Böse der Welt in sich auf, und so beendet er den Kreislauf der „ausgleichenden“ Vergeltung dieser Götter. So zeigt Gott, dass er gerecht ist und dass er die gerecht macht, die auf Jesus vertrauen (Römer 3,25-26).

Jesus ist der Anführer, den wir nie verdient haben. Er ist der Richter, der den Schlag empfängt, anstatt ihn auszuteilen. Er ist der König, der auf unsere Auflehnung mit Barmherzigkeit antwortet statt mit maßgenauer Vergeltung. Und unter seiner Herrschaft bleibt für uns nur noch Barmherzigkeit.

Überzeuge dich selbst

Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der dem Bösen mit vollkommener Gerechtigkeit ein Ende setzt. Und mögest du Jesus als den Richter sehen, der in unsere Gewalt hineintritt, um uns Barmherzigkeit zu geben statt Vergeltung.

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