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Andacht

Richter 19-21

Die verstümmelte Konkubine und Israels Bürgerkrieg

In Richter 19–21 sehen wir, dass Jesus denen von uns Hoffnung schenkt, die sich zu tief in Mustern der Begierde verstrickt fühlen und zu weit in eine Spirale der Verdorbenheit geraten sind.

Was geschieht hier?

Dies ist der Tiefpunkt von Israels Abwärtsspirale in die Verdorbenheit. Sie tun nur, was in ihren eigenen Augen richtig ist.

Das wird auf brutale Weise deutlich in einer verwickelten Erzählung voller sexueller Gewalt. Sie beginnt damit, dass ein Levit seine davongelaufene Konkubine sucht und sie im Haus ihres Vaters findet (Richter 19,1-2). Auf dem Heimweg entscheiden sich die beiden für die vermeintlich sicherere israelitische Stadt Gibea statt für die fremde Stadt Jebus (Richter 19,12). Sie täuschen sich. Die Männer der Stadt hämmern gegen ihre Tür und fordern, dass der Levit herausgebracht wird, damit sie ihn vergewaltigen können (Richter 19,23).

Undenkbar: Der Ehemann opfert seine Frau, um sich selbst zu schützen (Richter 19,24). Die Männer der Stadt vergewaltigen sie bis zum Morgen (Richter 19,25). Sie stirbt an den Folgen der Gewalt (Richter 19,28). Der Levit zerteilt den Leib seiner Frau in 12 Stücke und schickt sie an die Ältesten der 12 Stämme, um einen Krieg gegen Gibea anzuzetteln (Richter 19,29).

Empört bieten 11 Stämme Israels 400.000 Soldaten auf und ziehen gegen die Stadt (Richter 20,2). Doch der Stamm Benjamin beschließt, die Unmoral von Gibea zu verteidigen (Richter 20,14). Zum ersten Mal seit dem Buch Josua scheint Israel in dem Wunsch geeint zu sein, die Unmoral im Land Kanaan auszurotten (Richter 19,13). Ironischerweise muss Israel dafür aber eine der eigenen Sippen vernichten. Der Feind Gottes steht nicht mehr außerhalb, sondern mitten in Israel.

In drei aufeinanderfolgenden Schlachten erleiden beide Seiten schwere Verluste. Die Zahl der Toten zeigt, dass Gottes Gericht nicht nur Benjamin trifft, sondern alle Männer Israels. Sechshundert Männer aus Benjamin entkommen, doch keine Frau und kein Kind bleibt am Leben (Richter 20,48). Die siegreichen Stämme besiegeln daraufhin die Ausrottung Benjamins und erlassen ein Gesetz, dass kein Vater seine Töchter Benjamin zur Ehe geben darf (Richter 21,7).

Doch dann merken die Männer Israels, wie kurzsichtig das ist. Israel kann nicht ohne alle 12 Stämme bestehen (Richter 21,3). Ihre Lösung ist eine Gesetzeslücke. Formal wird niemand seine jungfräulichen Töchter Benjamin „geben“; stattdessen werden sie mit Gewalt „genommen“ (Richter 21,12.23). Israel greift zu genau dem Verhalten, das den Krieg ausgelöst hat: 600 Frauen werden ausgebeutet und vergewaltigt, damit die Männer ihr Gesicht wahren können.

Wo ist das Evangelium?

Israel hat Gottes Königsherrschaft verworfen und sich selbst zum besseren Gesetzgeber gekrönt (Richter 21,25). Doch ihre Erlasse sind wirr und widersprüchlich. Es bleibt unklar, ob Gott für oder gegen Israel ist. Und die ständige Gewalt gegen Frauen ist ein grausiger Beweis für Israels Versagen insgesamt, besonders aber für das Versagen seiner Männer.

Israel braucht einen Anführer, der nicht einfach das tut, was in seinen eigenen Augen am besten erscheint. Und Israel braucht einen Ehemann, der seine Braut nicht opfert, um seine eigene Haut zu retten. Dieser Ehemann und dieser Anführer ist Jesus.

Der Levit warf seine Braut dem Mob vor die Füße und tat nichts, während ihre Sexualität missbraucht und ihr Körper verstümmelt wurde. Doch statt seine Braut zu opfern, um sich selbst zu retten, opfert Jesus sich selbst, um seine Braut zu retten. Jesus wurde der Menge ausgeliefert. Um seine Kleider wurde gewürfelt. Er war nackt. Sein Körper wurde entblößt und misshandelt, zum Vergnügen derer, die zusahen.

Jesus ist der Einzige, der würdig ist, Gottes Volk zu führen. Jesus beschützt seine Frau – anders als der Levit und schließlich ganz Israel, die darin versagten. Jesus ist der Einzige, der tut, was in Gottes Augen richtig ist (Johannes 5,19). Der Apostel Paulus sagt uns: Als Jesus als unser Ehemann starb, tat er es, um uns durch seinen Geist heilig und rein zu machen (Epheser 5,25).

Israels Bürgerkrieg war ein Versuch, die Unmoral von Gibea zu beseitigen – aber die Unmoral von Gibea steckte auch in ihnen selbst. Die anderen 11 Stämme waren zu Vergewaltigung und Mord genauso fähig. Wenn sie Israel wirklich von Sünde reinigen wollten, hätten sie sich selbst auch töten müssen.

Doch Jesus, der wahre Israelit, starb, damit sein ganzes Volk von seiner Sünde gereinigt werden kann. Und er ersetzt unsere gewalttätigen und lüsternen Herzen durch seinen eigenen Geist. Sein Tod ist nicht nur ein Opfer; er ersetzt unsere Selbstzerstörung durch seinen eigenen kraftvollen, liebenden und heiligen Geist. Wegen Jesus sind wir ein neues Israel. Kein Königreich der Begierde und Gewalt, sondern eines, das durch selbstaufopfernde Liebe und Barmherzigkeit stark gemacht wird.

Sieh selbst

Ich bete, dass du den Gott siehst, der König ist. Und dass du Jesus als unseren liebenden Ehemann siehst, der sich selbst opfert, um seiner Braut Leben zu schenken.

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