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Andacht

2. Korinther 10,1-12,10

Stärke, die in Schwachheit vollkommen wird

In 2. Korinther 10,1-12,10 sehen wir, dass Jesus unser eifersüchtiger Ehemann ist, der uns vor falschen Lehrern schützt und der seine Stärke am deutlichsten in unserer Schwachheit zeigt.

Was geschieht hier?

Ohne sie beim Namen zu nennen, hat Paulus bisher auf die Lügen, den Stolz und die Habgier der falschen Lehrer angespielt, die die Kirche in Korinth von Jesus weglocken. Jetzt konfrontiert er sie schließlich mit einem ironischen Titel – „Superapostel“ (2. Korinther 11,5). Paulus hat bereits gezeigt, dass wahre Apostel sich nicht schämen, mit Jesus in Schwachheit zu leiden. Diese Superapostel dagegen rühmen sich ihrer Stärke und tun Leiden und Schwachheit als Zeichen des Versagens ab (2. Korinther 10,1). Indem sie Überlegenheit für sich beanspruchen, offenbaren sie, dass sie nicht Diener von Jesus sind, sondern Diener Satans (2. Korinther 11,13-14). 

Eine der Methoden, mit denen die Superapostel Paulus untergraben, ist die Behauptung, er sei in seinen Briefen kühn, aber persönlich schwach (2. Korinther 10,10). Paulus versichert den Korinthern, dass er auch von Angesicht zu Angesicht genauso kühn sein und die Argumente der Superapostel niederreißen kann, wenn es nötig ist (2. Korinther 10,2-6). Doch weit lieber würde Paulus seine Vollmacht nicht zum Zerstören, sondern zum Aufbauen einsetzen (2. Korinther 10,7-8). Er weigert sich, sich mit den Superaposteln auf das Spiel des Vergleichens einzulassen (2. Korinther 10,11-12). Stattdessen wird er sich der veränderten Leben der Gläubigen in Korinth rühmen (2. Korinther 10,13-18). Sie sind der lebendige Beweis, dass Paulus ein wahrer Apostel von Jesus ist.

Dann erklärt Paulus, dass er die Superapostel nicht bekämpft, weil er eifersüchtig auf ihre Vollmacht wäre, sondern weil er eifersüchtig um die Reinheit der Korinther wacht. Wie ein Vater, der seine verlobte Tochter bewacht und beschützt, hat Paulus versprochen, die Korinther als Braut von Jesus zu schützen (2. Korinther 11,2). Darum fleht Paulus seine geliebte Kirche an, sich nicht von falschen Lehrern weglocken zu lassen, so wie Eva von der Schlange im Garten verführt wurde (2. Korinther 11,3; 1. Mose 3,1-6). Diese Superapostel handeln genau wie ihr betrügerischer Herr Satan: Sie verkleiden sich, um die kostbare Braut von Jesus von seiner Seite wegzulocken (2. Korinther 11,13-15). Diese Lehrer sind keine bloß menschlichen Rivalen, sondern eine geistliche Plage, die vertrieben werden muss.

In einem satirischen Kräftemessen gegen die aufgeblasenen Referenzen der Superapostel lässt Paulus sich auf ihr Niveau herab. Er gibt zu, dass Rühmen Torheit ist, aber weil den Korinthern nur das wichtig ist, tut er ihnen den Gefallen (2. Korinther 11,1.16-21). Allerdings stellt er dem Rühmen der Superapostel über Gehälter, Redekunst und vornehme Abstammung sein eigenes Rühmen über seinen unentgeltlichen Dienst und seine vielen Leiden gegenüber (2. Korinther 11,7-11). Dank der Großzügigkeit armer mazedonischer Gläubiger konnte Paulus den wohlhabenden Korinthern kostenlos predigen. Ausführlich schildert Paulus die unzähligen Weisen, auf die er geschlagen, ausgehungert, eingesperrt und in Gefahr gebracht wurde (2. Korinther 11,22-29). Statt sich heldenhafter Großtaten im Dienst zu rühmen, prahlt Paulus damit, dass er einmal nachts in einem Korb versteckt durch eine Öffnung in der Stadtmauer aus einer Stadt floh (2. Korinther 11,30-33). In all dem zeigt Paulus die Torheit des Rühmens.

Paulus hat weit mehr Grund zum Rühmen als die Superapostel (2. Korinther 12,1). Zögernd gibt er zu, dass er wie die wahren Propheten des Volkes Gottes Gott in seinem himmlischen Thronsaal erlebt hat (2. Korinther 12,2-6). Doch Gott gab ihm einen „Dorn im Fleische“, um ihn bei diesen großen Offenbarungen demütig zu halten (2. Korinther 12,7). Im Buch Numeri (auch: Buch der Zahlen) bezeichnet dieser Ausdruck heidnische Völker, die wie Dornen in ihrer Seite in Israels Land zurückblieben und Israel dazu verführten, sich von Gott abzuwenden (4. Mose 33,55). Paulus sieht die Superapostel als einen Dorn im Fleische, als Boten Satans, die Gottes Volk dazu verführen, sich von seiner wahren Liebe abzuwenden (2. Korinther 12,7). Paulus hat Gott angefleht, die falschen Lehrer aus Korinth zu entfernen, doch sie bleiben – damit Paulus auf Gottes Stärke vertraut und sich ihrer rühmt und nicht seiner eigenen (2. Korinther 12,8-10).

Wo ist das Evangelium?

Paulus kämpft gegen die Superapostel, weil er stellvertretend für Gott eifersüchtig ist, wie ein Vater, der seine Tochter bewacht. Er hat diese Braut großgezogen, und er wird sie nicht rivalisierenden Freiern überlassen. Er wird sie beschützen, selbst um den Preis, verspottet, geschlagen, hungrig oder schlaflos zu sein. 

Paulus ahmt Jesus nach. Jesus ist nicht nur eifersüchtig um uns wie ein Ehemann – er ist unser eifersüchtiger Ehemann. In eifersüchtiger Liebe beauftragte Gott Prophet um Prophet, Anführer um Anführer, sein geliebtes Volk vor den Boten Satans zu schützen, vor falschen Propheten, die ihre Herzen davon weglockten, Gott allein zu lieben (2. Mose 20,5; 2. Chronik 36,15-16). Doch letztlich führten Gottes Liebe und Eifersucht um uns dazu, dass er seinen eigenen geliebten Sohn sandte. Und wie Satan und seine Boten es immer schon mit Gottes Propheten getan hatten, verspotteten, schlugen und töteten sie den wahren Ehemann der Menschheit (Apostelgeschichte 7,52). So wie die Superapostel sich ihrer eigenen Stärke rühmten, rühmten sich Satan und das Grab ihrer Stärke, das Leben von Jesus zu besiegen. 

Doch auch dies war ein satirisches Kräftemessen. Jesus ließ sich auf ihr Niveau herab. Er benutzte ihr Rühmen, um seine Stärke selbst in seinem schwächsten Augenblick zu zeigen (Kolosser 2,15). Er tat der Faszination der Welt für Macht den Gefallen, indem er in Schwachheit unter ihr starb – nur um in Stärke aufzuerstehen (Apostelgeschichte 2,24). Indem er von den Toten auferstand, zeigte er die Schwachheit menschlicher und satanischer Stärke. Seine Auferstehung macht das Rühmen Satans und seiner Boten leer.

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der aus Schwachheit Stärke hervorbringt. Und mögest du Jesus als den eifersüchtigen Ehemann sehen, der in unsere Schwachheit eintrat, um uns seine Stärke zu geben. 

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