Was passiert hier?
In diesem Teil seiner Rede an Israel erinnert Mose das Volk daran, dass Gott es erwählt hat (14,2). Mehr noch: Israel ist Gottes Eigentum, denn er hat es aus Ägypten befreit. Dadurch ist Israel für Gott heilig. Es soll sich unterscheiden – ausgesondert und anders sein.
Israel als heilig für Gott zu sehen, ist nötig, wenn wir die Speisegebote in diesem Abschnitt verstehen wollen. Diese Gebote erlauben Israel, bestimmte Tiere zu essen, verbieten aber andere (14,3). Israel ist von Gott erwählt worden, deshalb soll es auch nur die Nahrung essen, die von Gott erwählt wurde. Israels Speiseordnung war ein Symbol für seinen Status als erwähltes Volk – und für die übrigen Völker als nicht erwählt (14,21).
So hat Israel selbst in der Küche eine tägliche Erinnerung daran, dass es ausgesondert und allein für Jahwe erwählt ist.
Nach den Speisegeboten gibt Mose Anweisungen zum Zehnten. Wenn wir an den Zehnten denken, denken viele von uns zuerst an Geld. Aber Mose spricht immer noch vom Essen (14,22). Jedes Jahr soll jede Familie ein Zehntel ihrer Ernte nehmen, zum tempel Gottes gehen und dort mit Freude ein Fest vor Jahwe feiern. Wenn der Weg zu weit ist, um all diese Nahrung mitzunehmen, dann darf die Familie die Nahrung verkaufen, das Geld zum tempel Gottes bringen und dort ihre Lieblingsspeisen und -getränke für das Fest kaufen (14,26).
Gott will nicht nur, dass das Essen eine Erinnerung daran ist, wie Israel ausgesondert wurde, um das neue Land einzunehmen, sondern auch daran, wie Gott Israel Dinge gegeben hat, an denen es sich im neuen Land freuen darf. Gottes Segen mit Dankbarkeit zu genießen ist eine der wichtigsten Weisen, auf die Gott uns daran erinnert, ihn zu fürchten und an ihn zu denken.
Wo ist das Evangelium?
Auch Jesus benutzte Essen, um Christen daran zu erinnern, dass wir für niemand anderen ausgesondert sind als für ihn.
In der Apostelgeschichte erfahren wir, dass das Symbol von erwählter und nicht erwählter Nahrung nicht mehr nötig ist, weil alle Völker eingeladen sind, Gottes Volk zu sein (Apostelgeschichte 10,15). Denn die Mauer, die Israel von allen anderen Völkern trennte, wurde am Kreuz niedergerissen, indem Jesus die Verheißungen Israels für alle Menschen erwarb (Epheser 2,14). Für uns Christen soll deshalb unsere uneingeschränkte Speiseordnung täglich an Gottes uneingeschränkte Gnade erinnern. Während Israels Speiseordnung es an seinen Auftrag erinnern sollte, die Völker zu vertreiben, sollten wir bei jedem Essen an unseren Auftrag denken, alle Völker hereinzurufen (1. Korinther 9,21).
Das Neue Testament ruft uns außerdem immer wieder auf, mit Dankbarkeit zu essen (1. Korinther 10,31). Gottes Gegenwart ist nicht länger auf einen einzigen Ort beschränkt, denn der Heilige Geist wohnt jetzt in allen Gläubigen. So können wir jede Mahlzeit vor dem Herrn essen. Jeder Bissen kann zu einem Fest werden wie der Zehnte. Wir erinnern uns nicht nur an den leiblichen Segen der Nahrung, sondern schmecken und sehen sinnbildlich, dass der Herr gut ist (Psalm 34,9).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir Augen gibt, um den Gott zu sehen, der uns in seiner Gnade durch Dinge wie Essen daran erinnert, wer wir sind und wem wir gehören. Und dass du Jesus als den erkennst, der uns Anteil an den geistlichen Segnungen Israels gibt und uns täglich durch eine so einfache leibliche Handlung wie das Essen daran erinnert.

