Was passiert hier?
Moses Rede an das Volk an der Grenze zum Gelobten Land geht weiter. Dieser Abschnitt ist voller Warnungen und Gebote.
Er warnt sie vor drei Dingen, die Israel dazu bringen werden, Gott und sein Handeln zu vergessen, sobald sie das Land betreten: Wohlstand, Abgötterei und Nöte.
Israel wird außerdem angewiesen, drei verschiedene Arten von Beziehungen zu den Bewohnern des Landes nicht einzugehen: politische, gesellschaftliche oder religiöse (7,2b-3). Keine Bündnisse, keine Ehen und auf keinen Fall ein Übernehmen ihrer Glaubenspraktiken.
Wie soll Israel all diese Gebote und Warnungen befolgen? Immer wieder gibt dieser Abschnitt dieselbe Antwort: Denkt daran, was Gott getan hat.
Das schönste Handeln, an das Israel sich nach Gottes Aufforderung erinnern soll, ist der Grund, warum er Israel aus allen anderen Völkern erwählt hat. Er hat sie nicht erwählt, weil sie das größte, stärkste und beste Volk waren (7,7). Im Gegenteil: Sie waren das kleinste und schwächste. Gott hat Israel erwählt, weil er sie liebt (7,8). Und er liebt sie aus keinem anderen Grund, als dass er sich entschieden hat, sie zu lieben.
Und wenn das Volk sich daran erinnert, soll etwas in seinen Herzen geschehen: Sie lieben Gott zurück. Gottes Liebe zu Israel soll Israels Liebe zu Gott hervorbringen. Und diese Liebe wird sie zum Gehorsam führen.
Am besten zusammengefasst wird das in einem der bekanntesten und wichtigsten Sätze des ganzen Alten Testaments. Dort heißt es: „Höre, Israel: Der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ (6,4-5).
Die Liebe ist das Zentrum des Gesetzes.
Wo ist das Evangelium?
Als Jesus gefragt wurde, welches das wichtigste Gebot sei, antwortete er mit keinem der Zehn Gebote (Matthäus 22,36). Er erwähnte keine Warnungen vor Geld, falschen Göttern oder Leid. Seine Antwort handelte nicht von Politik, Sozialprogrammen oder religiösen Reformen.
Seine Antwort war genau dieser Vers aus 5. Mose. Das größte Gebot lautet: Liebe Gott von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit all deiner Stärke (Matthäus 22,37).
Es ist das größte Gebot, weil die Liebe die einzige Kraft ist, die uns dazu bringen kann, jedes andere Gebot zu befolgen. Gott zu lieben macht unseren Gehorsam gegenüber den anderen Geboten nicht überflüssig – es macht unseren Gehorsam überhaupt erst möglich.
Wie lassen wir unsere Liebe zu Gott wachsen? Auf dieselbe Weise, zu der Israel aufgerufen war: Indem wir uns daran erinnern, dass Gott uns erwählt hat – nicht weil wir klüger, besser oder würdiger gewesen wären als andere. Er hat uns gerettet, einfach weil er uns liebt. Und seine Liebe war nicht bloß ein Gefühl. Seine Liebe war eine Tat, die ihn bis ans Kreuz führte.
Wenn wir also bei Jesu zweitwichtigstem Gebot ankommen, „andere zu lieben“, dann haben wir tatsächlich die Fähigkeit, es zu befolgen. Wir können andere lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19). Und diese Liebe erfüllt das ganze Gesetz (Galater 5,14).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir Augen schenkt, den Gott zu sehen, der uns liebt, bevor wir ihn lieben – und dass du Jesus als den siehst, der uns seine Liebe auf so eindrückliche Weise gezeigt hat, dass wir, wenn wir sie erkennen, verändert werden, um Gott zu gehorchen und andere zu lieben.

