Was geschieht hier?
Die Pharisäer beschweren sich darüber, dass Jesus sich mit Zolleinnehmern und Sündern umgibt (Lukas 15,2). Auf ihr Murren antwortet Jesus mit drei Gleichnissen: von einem verlorenen Schaf, einer verlorenen Münze und einem verlorenen Sohn. Jedes endet mit einem Fest, wenn das Verlorene gefunden wird. Doch das Gleichnis vom verlorenen Sohn endet damit, dass der ältere Bruder murrt und sich weigert, mit seinem einst verlorenen und nun wiedergefundenen jüngeren Bruder zu feiern (15,28).
Geschickt zeichnet Jesus die murrenden Pharisäer als den zornigen älteren Bruder in seinem Gleichnis. Während alle feiern, dass der Verlorene gefunden wurde, können die Pharisäer nur vor Groll kochen (Lukas 15,29). Sie glauben, ihr moralisches Verhalten bedeute, dass sie gefeiert werden müssten und nicht diese Sünder, die Buße tun.
Der Vater antwortet auf den Zorn seines älteren Sohnes, indem er ihn daran erinnert, dass alles, was er besitzt, schon längst ihm gehört (15,31). Da er der rechtmäßige Erbe ist, braucht er nicht eifersüchtig zu sein, dass die Zuneigung seines Vaters verschwenderisch über seinen Bruder ausgeschüttet wird, der Buße getan hat. Genau wie bei der verlorenen Münze und dem verlorenen Schaf: Jeder, der den Vater liebt, wird feiern, wenn das, was einst tot war, lebendig gefunden wird (15,32).
Dieses letzte Gleichnis ist eine Warnung an die Pharisäer. Wenn sie weiterhin murren und sich weigern zu feiern, wenn Sünder gerettet werden, beweisen sie damit, dass sie Gott und die Menschen, die er seine Familie nennt, nie geliebt haben. Die murrenden Pharisäer werden – wie die murrenden Israeliten in der Wüste – für ihren fehlenden Glauben gerichtet werden.
Wo ist das Evangelium?
Gott ist ein großzügiger und verschwenderischer Vater gegenüber verlorenen Söhnen. Wie ein Hirte geht er in die Nacht hinaus, um sein verlorenes Schaf zu finden. Wie eine beharrliche Frau kehrt und sucht er, bis er seinen Schatz gefunden hat. Es gibt keine Länge, Höhe oder Tiefe, die er nicht zu durchmessen bereit wäre, um sein Volk zu finden (Epheser 3,18).
Jesus zeigt uns, dass unser Vater im Himmel sogar bereit ist, Schafe zu retten, die im Tal des Todes gefangen sind. Jesus stirbt, damit er denen die Frohe Botschaft verkünden kann, die wie der Verlorene Sohn schon tot in ihren Sünden sind (Epheser 2,1). Wegen der Auferstehung Jesu gibt es in der ganzen Schöpfung keinen Tod, kein Leben, keine Macht, keinen Dämon und keine Zukunft, die uns von der verschwenderischen Liebe Gottes und von dem Fest, das er über uns feiert, trennen könnten (Römer 8,38).
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir Augen geben, um den Gott zu sehen, der ein maßlos großzügiger Vater ist. Und mögest du Jesus als den erkennen, der sein Leben dafür hingegeben hat, die Toten lebendig zu machen und die Verlorenen zu finden.

