Was passiert hier?
Das Buch Hesekiel beginnt damit, dass Gott seinem Propheten ein erschreckendes Bild von Gottes Tempel zeigt. Was ein Ort der Freiheit, der Vergebung und der Ruhe sein sollte, war zu einem Nest der Gefangenschaft, der Schuld und der Erschöpfung geworden (Hesekiel 8-11). In gerechtem Zorn sagte Gott, dass er seinen Tempel verlassen und Babylon erlauben würde, ihn zu zerstören. Doch nun, in den letzten Kapiteln des Buches, gibt Gott Hesekiel eine Vision von einem neuen Tempel, in dem Freiheit, Vergebung und Ruhe für Gottes Volk auf immer wiederhergestellt sind. In allen Einzelheiten beschreibt Gott die Maße für fast jeden Raum und jeden Gegenstand in diesem neuen Tempel. Gott erklärt, dass die Maße sein Volk dazu bewegen sollen, sich von der Verdorbenheit der Vergangenheit abzuwenden und ein Leben zu führen, das dem Muster der Freiheit, Vergebung und Ruhe entspricht, die Gott ihnen geben will (Hesekiel 43,10-11). Ausdrücklich sagt Gott zu Hesekiel, dass die Tempelmaße „Gesetze“ sind, die sein Volk „befolgen“ soll. Die Maße, die Gott Hesekiel gibt, sind keine Baupläne für ein Gebäude; sie sind Ideale, die jeder Israelit verkörpern soll.
Fast alle genannten Zahlen tragen symbolische Kraft. In Israel waren die Zahlen 49 und 50 wichtig. Alle 50 Jahre sollte ein Fest gefeiert werden, das „Jubeljahr“ hieß: Sklaven wurden freigelassen, Schulden erlassen und der Landbesitz der Vorfahren zurückgegeben (3. Mose 25,8-55). Wenn du genau hinschaust, wirst du merken, dass die Datierungen von Hesekiels Prophetien zusammen entweder 49 oder 50 ergeben (Hesekiel 1,1-2; 40,1). Und es sind genau 25 Stufen, die zu jenem Ort in Gottes Tempel hinaufführen, an dem durch ein Schlachtopfer Vergebung erlangt wurde, und 25 wieder hinab (Hesekiel 40,6.22.31.49). Die bewusste Datierung dieser Prophetien und die Zahl der Stufen im Tempel sollen Israel daran erinnern, dass es eine Gemeinschaft sein soll, in deren Mitte Freiheit und Vergebung stehen, und sie ermutigen, diese Werte in der Zukunft zu leben.
Ebenso wird alles in Hesekiels Tempel mit einer Messlatte gemessen, die sechs „lange Ellen“ lang ist. Eine gewöhnliche Elle maß sechs Handbreiten, doch Hesekiel sagt uns, dass diese besondere „lange Elle“ sieben Handbreiten lang ist (Hesekiel 40,5). Sieben ist genau die Zahl der Tage, in denen Gott die Welt schuf, und am siebten Tag ruhte Gott (1. Mose 2,1-2). Der Punkt ist: Alles im Tempel wird mit Gottes Schöpferkraft und der Hoffnung auf eine von Gott selbst zugesagte Ruhe gemessen. Diese Einzelheiten sollen Israel ermutigen, sich neu auf Gottes Rhythmus von Arbeit und Ruhe einzulassen und so eine neue Zeit der Lebenskraft und des Lebens in ihre Gemeinschaft zu bringen.
Das sind nur einige der vielen Verweise auf die Zahlen Sieben, Fünfundzwanzig und Fünfzig in Hesekiels Tempel. Der Sinn all dieser Zahlen ist, Israel zur Umkehr von seinen früheren Sünden zu rufen und es zum Gehorsam zu ermutigen. Doch die Maße sind auch Zusagen. Hesekiels Vision gibt dem Israel im Exil ein symbolisches inneres Bild jener Welt der Freiheit, Vergebung und Ruhe, die Gott für sie bauen will. Sie bietet auch die Hoffnung, dass Gott, obwohl er seinen Tempel verlassen hat, eines Tages zurückkehren und einen Ort der Freiheit, Vergebung und Ruhe schaffen wird, der für immer bleibt (Hesekiel 43,1-9).
Wo ist das Evangelium?
Israel gelang es nicht, den Idealen der Tempelvision gerecht zu werden. Ihr Reich war kein Ort der Freiheit, Vergebung und Ruhe für Gottes Volk, sondern ein Ort der Gefangenschaft, der Schuld und der Erschöpfung. Doch Hesekiels Vision hätte ihnen Hoffnung gegeben. Sie war eine letzte Gelegenheit, sich von ihrer Verdorbenheit abzuwenden, Gottes Geboten zu gehorchen und das Reich zu empfangen, das Gott ihnen geben wollte. Was ihnen noch mehr Hoffnung gegeben hätte: Niemand wurde jemals beauftragt, Hesekiels Tempel zu bauen. Es werden keine Baumaterialien genannt, und es werden keine Maße für die Höhe angegeben. Hesekiels Vision verspricht, dass ein erneuerter Tempel und ein wiederhergestelltes Reich der Freiheit und Vergebung nicht auf den Anstrengungen eines bestimmten Israeliten ruhen würden, sondern auf dem Handeln eines besseren Tempelbauers. Doch dieser Tempelbauer ist nicht Israel, sondern Gott. Gott baute seinen wahren Tempel, als er als der wahre Israelit, Jesus, auf die Erde kam (Johannes 2,19-21).
Anders als die Israeliten der Vergangenheit lebte Jesus die Ideale von Hesekiels Tempelvision vollkommen. Jesus nutzte seine Macht, um denen Ruhe zu geben, die von Krankheiten geplagt waren, und denen Freiheit zu schenken, die von bösen Geistern gequält wurden (Matthäus 8,16). Und Jesus nutzte seine letzten Augenblicke auf der Erde, um als Schlachtopfer zu sterben, das Vergebung für Gottes ganzes Volk bringen würde (1. Johannes 1,7). Dann stand Jesus von den Toten auf und wurde so leibhaftig zu Hesekiels wiederhergestelltem Tempel. Jesu Auferstehung hat das Reich der Freiheit, Vergebung und Ruhe eröffnet, das für immer bleiben wird (Johannes 18,36).
Wir müssen nicht darauf warten, dass ein Gebäude fertig gebaut wird. Wenn du an Jesus glaubst, gehörst du schon jetzt zu einem Reich, das dir Ruhe schenkt, Vergebung für das, was du falsch gemacht hast, und Freiheit von den Mächten, die dich unterdrückt haben.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der seinem Volk einen neuen Tempel geben will. Und mögest du Jesus als unsere Hoffnung und Garantie für eine Ewigkeit voller Ruhe, Freiheit und Vergebung erkennen.

