Was geschieht hier?
Israels Priester sollten Gottes Volk reinigen und ihm Vergebung erwirken. Doch unter ihrer Führung wurde Israel vom Bösen, von Ungerechtigkeit und Gewalt verunreinigt (Hesekiel 8-11). Nun aber ist Gott gerade dabei, dem Propheten Hesekiel eine Vision von einem neuen, gereinigten Tempel zu zeigen, in dem Vergebung und Reinigung wieder erlangt werden können. Hesekiel hat bereits Visionen vom Tempel selbst gesehen (Hesekiel 40-43,12). Und jetzt werden ihm Anweisungen für Gottes Altar gezeigt, gefolgt von Anweisungen für Gottes Priester. Gottes Priester waren dafür verantwortlich, auf dem Altar die Schlachtopfer darzubringen, und am Altar konnte Gottes Volk von seinen vergangenen Sünden gereinigt werden und Vergebung empfangen. Dass Hesekiel sowohl das Priestertum als auch den Altar wiederhergestellt sieht, ist ein Zeichen. Trotz ihrer vergangenen Sünden möchte Gott sein Volk noch immer reinigen, ihm vergeben und es lieben.
Sogar die Einzelheiten über den Altar machen deutlich, dass Gott eine erneuerte Beziehung zu seinem Volk wünscht. So ist der Altar zum Beispiel genau sieben Ellen hoch. Das entspricht der Zahl der Tage der Schöpfung und steht sinnbildlich für einen Neuanfang in Gottes Beziehung zu seinem Volk (Hesekiel 44,13-17). Doch der Altar muss ebenso gereinigt werden wie das Volk. Deshalb erhält Hesekiel ausführliche Anweisungen für eine besondere „Entseuchungszeremonie“ (Hesekiel 44,18-27). Gott verspricht, dass er wieder bei seinem Volk sein wird, sobald der Altar gereinigt ist, und dass dann ihre neue Beziehung beginnen kann.
Danach beschreibt Gott eine ähnliche Reinigung seiner Priester. Hesekiel erinnert Israel an die Ungerechtigkeit, die Gewalt und die Abgötterei, deren sich Israels religiöse Führer schuldig gemacht hatten (Hesekiel 44,5-8). Und Gott verspricht, dass er das Priestertum reinigen wird. Nur gerechte, sanftmütige und treue Priester werden an seinem heiligen Ort Dienst tun (Hesekiel 44,15-16). Überraschenderweise kann sogar denen vergeben werden, die einst schuldig wurden, Gottes Tempel zu beschmutzen und zu verunreinigen, und sie dürfen erneut Gottes Tempel und seinem Volk dienen (Hesekiel 44,9-14). Diese Visionen sind Zusagen, dass Gott das Priestertum vom Bösen reinigen wird und dass Gottes Priester bald seinen Geboten gehorchen und Gottes Volk in vollkommener Gerechtigkeit und Unparteilichkeit führen werden (Hesekiel 44,19-31; 45,9-12).
Anschließend beschreibt Hesekiel die Zuteilung des Landes, auf dem der Tempel, die Priester und Israels König wohnen werden (Hesekiel 45,1-7). In der Vergangenheit hatten Israels religiöse und politische Führer ihren Mitbürgern und Untertanen Besitz geraubt. Doch diese neue Zuteilung ist eine Zusage, dass Israels Führung von diesen bösen Begierden gereinigt wird. Nie wieder wird ein Herrscher die Menschen unter ihm betrügen oder berauben (Hesekiel 45,8). Stattdessen werden Israels Führer mit dem Land zufrieden sein, das Gott ihnen gegeben hat, und ihren Reichtum und ihre Macht dafür einsetzen, Feste auszurichten und Schlachtopfer zu Gottes Ehre bereitzustellen (Hesekiel 45,9-46,18). Hesekiel erwähnt sogar die heiligen Küchen, in denen Gottes Priester Mahlzeiten zubereiten werden, um damit Gottes Volk und nicht sich selbst zu dienen (Hesekiel 46,19-24). Dieser Abschnitt von Hesekiels Vision endet mit der Hoffnung, dass nichts mehr im Weg stehen kann, sobald Gott Israels Priestertum und Führung verwandelt hat, sodass Gott und sein Volk für immer in einer Beziehung der Liebe und Vergebung leben werden.
Wo ist das Evangelium?
Diese Prophetien über eine wiederhergestellte Beziehung zu Gott wurden im 25. Jahr von Hesekiels 70-jährigem Exil in Babylon aufgeschrieben. Hesekiel hält diese Prophetien fest, weil Gott trotz der gegenwärtigen Strafe seinem Volk vergeben und mit ihm in einem Land leben will, das vom Bösen reingewaschen ist. Hesekiels Prophetie erfüllte sich schließlich, als Gott in der Person von Jesus mitten unter seinem bösen Volk lebte. Aus Liebe wurde Jesus zum Altar, zum Priester und zum Schlachtopfer, der sein Volk reinigen und ihm vergeben würde.
Der Hebräerbrief sagt uns, dass Jesus unser Altar ist (Hebräer 13,10). Er ist der Ort, an dem Sünde gereinigt und Vergebung erwirkt wird und ein Neuanfang unserer Beziehung zu Gott beginnt. Der Hebräerbrief sagt uns auch, dass Jesus unser vollkommener Priester ist (Hebräer 7,1-28). Sein Priestertum ist von Gerechtigkeit, Frieden und der Macht geprägt, eine ewige Beziehung der Liebe zu Gott zu garantieren. Das Schlachtopfer, das Jesus als Priester darbringt, ist kein Tier, sondern sein eigener Leib (Hebräer 10,1-10). In der ganzen Geschichte Israels konnten Tieropfer das Böse und die Sünde, die Gottes Volk und seine Führer plagten, niemals endgültig wegnehmen. Doch als Jesus seinen eigenen Leib darbrachte, verwandelte und reinigte er jeden, der auf sein Schlachtopfer vertraut, das er an dessen Stelle darbrachte. Der Altar, das Priestertum und die Schlachtopfer, die Hesekiel in seiner Vision sah, werden in Jesus alle Wirklichkeit.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der für immer mit seinem Volk leben will. Und mögest du Jesus als den erkennen, der unser Altar, unser Priester und unser Schlachtopfer ist.

