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Andacht

Hesekiel 19

Ein Rätsel für Israel

In Hesekiel 19 sehen wir, dass die Antwort auf Hesekiels Rätsel und auf die verdorbene Königslinie Jesus ist – der endgültige Sohn Davids.

Was geschieht hier?

Israel sollte ein fruchtbarer Weinstock sein, der die Welt ernährt, doch es ist zu einem verdorrten Zweig geworden, der die Welt mit Tod erfüllt. Darum stellt Hesekiel dem Volk Israel ein Rätsel, damit es erkennt: Gott hat es in seinem Tod begraben, wird es aber auferwecken, damit es endlich die Frucht des Lebens trägt. Mit alten Bildern, die zur Königsfamilie Israels gehören – nämlich einem Löwen, einem Weinstock und einem Zepter –, kritisiert Hesekiel das Königshaus Israels (1. Mose 49,9-11). Er weissagt, dass eines Tages ein würdiger Königssohn geboren wird, der sein Volk mit Gerechtigkeit regiert. 

In Hesekiels Rätsel zieht eine Löwin ein Junges auf, das zu einem reißenden Raubtier wird. Doch schon bald verabreden sich ägyptische Jäger, um den Löwen zu fangen und zu töten (Hesekiel 19,2-4). Vom Tod ihres Jungen unbeirrt zieht die Löwin ein weiteres, noch gewalttätigeres und furchterregenderes Junges auf. Doch dieses neue Raubtier erleidet dasselbe Schicksal. Diesmal spüren babylonische Jäger die Bestie auf, fangen und töten sie und bringen den Kadaver in ein fernes Land (Hesekiel 19,5-9). Die Löwin ist Israel. Die reißenden Jungen sind zwei der letzten Könige Israels. Der böse König Joahas wurde gefangen genommen und nach Ägypten gebracht. Sein böser Bruder Jojakim bestieg daraufhin den Thron, wurde aber schnell abgesetzt und nach Babylon verbannt (2. Chronik 36,2-8). Wie wilde Löwen haben Israels Könige durch Schrecken und Gewalt regiert. Und so, wie man ein gefährliches Tier tötet, hat Gott Israels Königsfamilie ausgemerzt.

Anschließend vergleicht Hesekiel in verschlüsselter Sprache Jojakims Sohn Jojachin mit einem Weinstock. Ein voller, fruchttragender Weinstock ist an einem Wasserlauf gepflanzt (Hesekiel 19,10). Er überragt sogar die höchsten Bäume, und seine Zweige sind so kräftig, dass man sie als königliche Zepter ernten kann (Hesekiel 19,11). Doch aus dieser großen Höhe reißt eine ungenannte Macht dem Weinstock die Blätter ab, beschneidet, entwurzelt und verbrennt ihn. Diese Macht pflanzt dann einen einzigen verdorrten Zweig in die Wüste (Hesekiel 19,12-14). Der Weinstock ist Israels Königsfamilie. Dass er Frucht trägt, zeigt, wie Israel in der Vergangenheit große Herrscher hervorgebracht hat, die ihr Zepter mit Gerechtigkeit führten. Die ungenannte Macht ist Gott, der Israel wegen seiner Verderbtheit begräbt. Und der verdorrte Zweig, der in die Wüste gepflanzt wird, ist König Jojachin. Er ist das letzte lebende Mitglied der Königsfamilie Israels. Doch nun sitzt er in einem babylonischen Gefängnis (2. Könige 24,8-17).

Interessant ist, dass Hesekiels beide Rätsel den üblichen poetischen Regeln von Klageliedern folgen – Liedern, die für Begräbnisse bestimmt sind. Diese Rätsel kritisieren zwar Israels Königsfamilie, doch sie sind gleichzeitig ein Weg, die Trauer über den Verlust des Königs und des Königreichs zu verarbeiten. Gott hatte König David zugesagt, dass seine Familienlinie und sein Königreich für immer bestehen würden (2. Samuel 7,11-16). Aber dieses Rätsel klagt darüber, dass diese Zusage nun fast völlig verloren scheint. Israels einzige Hoffnung ist der gefangene Jojachin, der letzte verdorrte Zweig am Stammbaum Davids. Israels einzige Hoffnung ist, dass die Königslinie nicht ganz erlischt und endlich ein würdiger Sohn geboren wird.

Wo ist das Evangelium?

Der würdige Sohn, der endlich aus Davids verdorrtem Stammbaum geboren wird, ist Jesus (Matthäus 1,1; Jesaja 11,1; Sacharja 3,8; Jeremia 23,5). Aufgewachsen im nahezu verlassenen Ort Nazareth, war er der königliche Nachkomme und der würdige Sohn, auf den Israel gewartet hatte (Lukas 2,39-40). Als Jesus in seine Vollmacht trat, regierte er nicht durch Schrecken oder Gewalt, sondern heilte und ernährte sein Volk aus Mitleid (Matthäus 9,35-36; Johannes 6,11-14). Jesus weigerte sich, wie Israels frühere gewaltsame Könige zu sein – so sehr, dass er sich verweigerte, als Gottes Volk ihn mit Gewalt zum König machen wollte (Johannes 6,15).

Jesu Königreich war kein Reich tierischer Grausamkeit, sondern der Selbstaufopferung. Seine Krone war aus gewundenen Ranken geflochten; sein Thron war ein Kreuz aus knorrigem, unbehandeltem Holz. Seine erste Tat als der lang erwartete Sohn Davids war, für sein Volk zu sterben. Anstatt seine Untertanen als Beute zu reißen, gab er seinen eigenen Leib und sein Blut, um sie zu versorgen (Lukas 22,19-20). 

Doch Jesu Leib wurde nicht bloß begraben – er wurde gepflanzt. Nach drei Tagen des Keimens ist Jesus von den Toten auferstanden. Jesus ist der würdige Sohn, der endlich aus dem verdorrten Zweig der Königslinie Jojachins geboren wurde. Das Buch der Offenbarung sagt uns, dass Jesus der wahre Löwe aus Israels Königslinie und der Weinstock Davids ist und dass er nun bei Gott sitzt als der wahre König über sein Volk in Ewigkeit (Offenbarung 5,5). Gottes König und Gottes Königreich sind nicht verloren – sie sind auf den ewigen Thron erhoben worden, der David zugesagt war. Wir müssen keine Klagelieder mehr singen, denn unser König hat sein Grab hinter sich gelassen und lebt für immer. 

Überzeuge dich selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der uns einen König gegeben hat. Mögest du Jesus als den weisen, gerechten und guten König sehen, der für immer regiert. 

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