Was geschieht hier?
Als Israel zum ersten Mal zu einem Volk wurde, schloss Gott einen Bund mit ihm. Gott versprach, ihre Nation zu bewahren und sie vor feindlichen Einfällen zu schützen, solange Israel ihm weiterhin vertraute und ihn anbetete. Aber Gott warnte auch, dass Israel diesen Vertrag brechen könnte, indem es fremden Heeren und Göttern vertraut. Wenn es das täte, so besagt der Bund, würde Gott Israel für eine Zeit aus seinem Land entfernen, es von allem Bösen und aller Abgötterei reinigen und nach einiger Zeit sein Volk zurückbringen (5. Mose 30,1-10). Israel hat diesen Vertrag gebrochen. Schon jetzt sind viele der führenden Männer und Adligen Israels in die aufstrebende Großmacht Babylon verschleppt worden (2. Könige 24,1-15). Deshalb warnt Hesekiel in einer Reihe prophetischer Gleichnisse Israels Führer: Wenn sie weiterhin anderen Göttern und Königen vertrauen, wird Gott Babylon herbeirufen, um zu zerstören, was von Israel übrig ist.
In Hesekiels erstem Gleichnis bricht ein großer Adler den höchsten Zweig einer Zeder ab und pflanzt ihn in einem fernen Land wieder ein (Hesekiel 17,1-4). Das steht dafür, wie Babylons König Nebukadnezar bei seinem ersten Einfall die angesehensten Bürger Israels wegführte (Hesekiel 17,12). Derselbe Adler kehrt dann nach Israel zurück und setzt behutsam einige Setzlinge wieder in Israel ein, wo sie zu wachsen beginnen (Hesekiel 17,5-6). Damit ist gemeint, dass Nebukadnezar Israels vorherigen König durch einen Mann namens Zedekia ersetzte (2. Chronik 36,11-14; Hesekiel 17,13-14). Doch ein zweiter Adler landet in der Nähe, und die Setzlinge beginnen, ihre Wurzeln zu ihm hin auszustrecken, anstatt dort Wurzeln zu schlagen, wo der erste Adler sie eingesetzt hatte (Hesekiel 17,7-8). Das bezieht sich darauf, dass Zedekia mit Hilfe Ägyptens einen Umsturz versuchte, statt der Herrschaft Babylons zu vertrauen (Hesekiel 17,15). Zedekia hätte darauf vertrauen sollen, dass es letztlich Gott war, der sie wieder in Israel eingepflanzt hatte, so wie es der Bund versprochen hatte. Israels Umsturzversuch ist nicht bloß ein Verbrechen gegen Babylon, sondern der Beweis dafür, dass Israel nicht bereit ist, sich Gott und seinen Plänen unterzuordnen. Weil Zedekia nicht darauf vertraute, dass Gott Babylon zu ihrem Schutz erwählt hatte, sagt Hesekiel: Babylon wird erneut einfallen, Zedekias Umsturz wird niedergeschlagen, und er wird in einem babylonischen Gefängnis sterben (Hesekiel 17,16-21).
In Hesekiels zweitem Gleichnis beschreibt er, wie Gott seinem Bund mit Israel auch nach dem zweiten Einfall Babylons treu bleiben wird. Darin ist Gott ein Gärtner. Gott tritt an einen hohen Baum heran, schneidet einen Zweig ab und pflanzt ihn selbst auf den Bergen Israels ein. Dieser Zweig wächst zu einer mächtigen Zeder heran, und schon bald werden Vögel aus aller Welt kommen und in ihrem Schatten wohnen (Hesekiel 17,22-24). Das Gleichnis von der Zeder steht dafür, dass Gott seinem Bund treu bleibt und die Königslinie Israels bewahrt. Es ist ein Versprechen: Durch Gottes Kraft wird in Israel ein neuer, treuer König hervorsprießen, und alle Völker werden in Scharen zu ihm strömen und ihm für Schutz und Versorgung vertrauen (Hesekiel 17,23-24).
Wo ist das Evangelium?
Israel und seine Könige sollten Gott vertrauen, wenn es um die Bewahrung und den Schutz ihres Volkes ging. Doch stattdessen vertraute Zedekia auf Ägypten. Und genau wie Hesekiel es prophezeit hatte, fiel Babylon in Israel ein, zerstörte die Hauptstadt und verschleppte den größten Teil des Volkes (2. Chronik 36,15-23; Hesekiel 33). Doch trotz Israels fehlendem Vertrauen prophezeite Hesekiel auch, dass Gott letztlich kein Zerstörer ist, sondern ein Gärtner. Er würde Israels Königsfamilie neu einpflanzen und seinem Volk selbst einen neuen König erstehen lassen. Dieser König heißt Jesus.
Gott nahm Jesus aus den höchsten Höhen des Himmels und pflanzte ihn in den niedrigen Boden ein, in dem sein Volk auf der Erde im Exil lebte (Johannes 1,1.14; Hebräer 2,9). Und so wie Zedekia die Herrschaft Babylons über Israel hätte annehmen sollen, ordnete sich Jesus den römischen Machthabern unter, die Gott über sein Volk gesetzt hatte. Er vertraute Gott, selbst als diese Machthaber kamen, um ihn zu töten (Matthäus 26,50-56). Und Jesus vertraute darauf, dass Gottes Hand hinter den Händen stand, die ihn kreuzigten.
Genau wie Gott es versprochen hatte, pflanzte er einen neuen, treuen König in Israel ein. Wie die Samen in Hesekiels Gleichnis wurde er begraben, und wie alle Samen erhob er sich aus der Erde, um Gottes Volk für immer zu regieren (Matthäus 28,1-10). Wie Hesekiel lehrte Jesus, dass sein Reich wie ein gewaltiger Baum wachsen würde und dass die Völker der Welt in dem schützenden Schatten, den er gibt, Ruhe finden können (Matthäus 13,31-32). Und Jesu Auferstehung beweist, dass er recht hatte! Jesus ist die mächtige Zeder, zu der die ganze Welt strömen kann, um unter seinen Zweigen ein Zuhause und Schutz vor ihren Feinden zu finden (Johannes 12,32-33; Apostelgeschichte 2,36.39). Du musst nirgendwo sonst nach Schutz und Versorgung suchen (Philipper 4,19). Jesus ist der mächtige König, der für alle sorgt und alle beschützt, die ihm vertrauen (Epheser 2,4-7).
Überzeuge dich selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der dein Vertrauen wert ist. Und mögest du in Jesus den von Gott erwählten König erkennen, der sein Volk beschützt und versorgt.

