Was geschieht hier?
Israel lässt sich endlich in seiner Heimat nieder. Seine Feinde sind größtenteils besiegt, und die zwölf Stämme haben ihr Land zugeteilt bekommen. Nur zwei Dinge müssen noch geregelt werden, bevor Gottes Versprechen, ihnen dieses Land zu geben, vollständig erfüllt ist.
Zuerst: Gott hatte Mose befohlen, im Gelobten Land Zufluchtsstädte einzurichten (4. Mose 35,9-10). Wenn jemand aus Versehen seinen Nachbarn tötet, kann er in eine der Zufluchtsstädte fliehen und dort Gerechtigkeit und Schutz finden (4. Mose 35,12).
Der zweite offene Punkt ist das Erbe des Priesterstammes Levi (Josua 21,1). Levi hatte drei Söhne, die Oberhäupter von drei Sippen waren – Gerschon, Kehat und Merari. Diesen Sippen wird, wie auch den Nachkommen des Hohen Priesters Aaron, kein großes Landgebiet versprochen wie den anderen zwölf Stämmen. Stattdessen wird ihnen gesagt: Gott wird ihr Erbe sein (4. Mose 18,20). Während sie sich um den Tempel kümmern, dürfen sie sich auf Gottes Versorgung verlassen – durch die Gaben und Schlachtopfer der anderen zwölf Stämme (5. Mose 18,3).
Selbst das Land, in dem sie wohnten, sollte ein Geschenk der anderen zwölf Stämme sein (4. Mose 35,2). Die Stämme opfern in einem gewissen Sinn ein Stück ihres eigenen Landes, um für die Leviten zu sorgen (Josua 21,3). Auch die Zufluchtsstädte werden den Leviten gegeben (Josua 21,13).
Als priesterliche Vertreter Gottes leben die Leviten nicht an einem einzigen Ort zusammen, sondern verteilt unter allen Stämmen. In jedem Stamm gibt es Leviten, die Gottes Gebote lehren, für Gerechtigkeit sorgen, die Unschuldigen schützen und zwischen Gott und den Menschen vermitteln (Maleachi 2,7).
Wo ist das Evangelium?
In einem Buch, in dem es ständig um den Kampf um einen Platz, um Landbesitz und um ein Zuhause geht – was bedeutet es dann, nichts davon zu bekommen? Was bedeutet es für Menschen, die niemals ein eigenes Zuhause haben werden, im Herrn ein Zuhause zu haben?
Für die Leviten hieß das: Statt in ihrem eigenen Stammesgebiet zu leben, verteilten sie sich über die Gebiete aller Stämme. Und statt selbst Land zu bebauen und ihre Nahrung anzubauen, wurde sie ihnen von anderen als Opfer gegeben. Statt sich um ihren eigenen Besitz zu kümmern, kümmerten sich die Leviten um Gottes Volk. Die Leviten bewachten keine Grenzen; aber indem sie Israel lehrten, Gottes Gebote zu halten, und im Land für Gerechtigkeit sorgten, bewachten sie die Seele ihres Volkes. Das bedeutete es, den Herrn als Erbe zu haben.
Jesus ist ein Priester wie diese Leviten (1. Timotheus 2,5). Sein Reich ist nicht an ein bestimmtes Stück Land gebunden; Jesus ist der Priester für die ganze Erde. Es geht ihm nicht darum, Grenzen abzustecken, denn sein Reich ist nicht von dieser Welt (Johannes 18,36). Jesus liegt viel mehr daran, die Seelen seines Volkes zu bewachen. Darum verspricht er uns nicht Land, sondern einen Platz in Gott (Johannes 14,3). Und noch unmittelbarer: Er schafft in uns einen Platz für Gott (Johannes 16,13). Wir sind jetzt Gottes Heimat, während wir auf unser Zuhause in ihm warten. Jesus macht unser Erbe in Gott zu einer ewigen Wirklichkeit.
Statt von Schlachtopfern ernährt zu werden, wird Jesus selbst zum Schlachtopfer für uns (1. Petrus 3,18). Was die heimatlosen Leviten nur teilweise geschmeckt haben, schenkt Jesus für immer: Frieden mit Gott und Frieden miteinander. Wenn du das Gefühl hast, kein Zuhause zu haben: Durch Jesus ist Gott dein Zuhause. Er ist immer bei dir.
Und wie Gott die Leviten als seine Vertreter in ganz Israel aussandte, so sendet Jesus jetzt dich als seinen Vertreter in die ganze Welt (Matthäus 28,19). Wir sind nun ein Volk von Leviten, das für Gerechtigkeit sorgt, die Unschuldigen schützt und die Frohe Botschaft von unserer ewigen Heimat in Gott lehrt (Offenbarung 1,6).
Sieh es selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der uns seine Gegenwart und seinen Schutz persönlich und durch Vertreter schenkt. Und mögest du in Jesus Gott selbst erkennen, der mit Gegenwart und Schutz zu uns kommt, wo immer wir auch sind.

