Was passiert hier?
Israel steht kurz davor, gegen die Festungsstadt Ai zu ziehen – und zwar zweimal. Und das erste Mal endet in einer Katastrophe.
Noch vor der Schlacht erfahren wir, dass Achan, ein Soldat, etwas von den Schätzen Jerichos gestohlen hat (Josua 7,1). Gott hatte sie gewarnt: Wenn sie etwas stehlen würden, was ihm geweiht ist, würden sie selbst der Vernichtung geweiht sein (Josua 6,18). Und Gott hält Wort. Israel wird bei Ai geschlagen und ist entsetzt: Der Gott, der für sie war, ist jetzt gegen sie (Josua 7,4-5).
Josua weiß nichts von Achans Diebstahl. Deshalb fragt er Gott, warum er bei Ai nicht an ihrer Seite gekämpft hat wie in Jericho (Josua 7,9).
Gott sagt ihm, dass Israel schon vergessen hat: Es ist nicht ihre Sache, diesen Kampf zu gewinnen. In diesen Kämpfen geht es nicht darum, dass Israel reicher wird, sondern darum, dass Gott seine Versprechen hält und den Garten Eden auf die Erde zurückbringt. Einer hat das vergessen und Schätze aus Jericho gestohlen – so wie Eva die Frucht nahm. Als Josua den Schuldigen findet, gibt Achan sogar dieselbe Erklärung für seine Sünde wie Eva: Es sah einfach gut aus in seinen Augen (Josua 7,21). Jetzt ist das ganze Lager in Gefahr (Josua 7,11). Weil sie den Fluch von Eden nicht wiederholen wollen, steinigen und verbrennen sie Achan, so wie sie Jericho verbrannt haben (Josua 7,25).
Schnell bringen sie das, was dem Herrn geweiht ist, zum Tabernakel zurück, und Gott sagt Josua, er solle Ai durch einen Hinterhalt einnehmen (Josua 8,1-2). Josua soll seinen Wurfspieß gegen Ai ausstrecken, wie Mose seinen Stab über das Rote Meer ausstreckte (2. Mose 14,16; Josua 8,18). Und wie das Wasser das Heer der Ägypter verschlang, verschlingen Israels Truppen die Heere von Ai (Josua 8,22). Anders als bei Achan bringt ihr Gehorsam Segen.
Dann ruft Josua Israel zwischen den Bergen Ebal und Garizim zusammen, um Gott anzubeten und das Volk an den Bund zu erinnern (Josua 8,30-31). So wie die beiden Schlachten um Ai Bilder für Gottes Bundessegen und Bundesfluch sind, stehen auch diese Berge für dasselbe. Von dem einen Berg wird der Segen des Bundes über das Volk ausgerufen, von dem anderen der Fluch (Josua 8,33-34).
Wo ist das Evangelium?
Gott sagt Josua, dass er nicht bei Israel bleiben wird, solange nicht alles, was der Vernichtung geweiht ist, tatsächlich vernichtet wird (Josua 7,12). Anders gesagt: Leben mit Gott setzt voraus, dass nichts, was auf der Seite des Todes steht, im Lager bleiben kann. Die Sünde eines einzigen Mannes bedrohte die ganze Gemeinschaft, denn das Böse breitet sich immer über den hinaus aus, der es tut. Genau das sagt Paulus auch über Adam: Eine einzige Auflehnung zog ihre Wellen durch die ganze Welt (Römer 5,12).
Und genau darum geht es auch bei Achan. Eva „sah“ die Frucht, Achan „sah“ die Schätze – und auch wir greifen nach dem, was wir schön nennen, selbst wenn Gott es tödlich nennt. Unsere fehlgeleiteten Wünsche ziehen uns – und alle um uns herum – in die Vernichtung.
Aber Paulus lässt uns nicht bei Adam oder Achan stehen. Er sagt: So wie eine einzige Tat des Ungehorsams die Welt angesteckt hat, so hat eine einzige Tat des Gehorsams begonnen, sie zu heilen (Römer 5,15). Jesus ist der wahre Mensch, der nicht zugreift, der nicht nimmt, der die falsche „Schönheit“ eines leichteren Weges zurückweist (Matthäus 26,39). Stattdessen geht er genau dorthin, wo Sünde und Tod ihre Stärke sammeln, und lässt sie sich an ihm verausgaben.
Am Kreuz wurde Jesus vernichtet – aber nicht so wie Achan. Denn Jesus griff nicht nach dem Bösen. Und doch: Obwohl er nicht der Vernichtung geweiht war, ging Jesus in den Bereich der Vernichtung hinein, damit die Vernichtung selbst vernichtet werden kann.
Achans Ungehorsam verbreitete Fluch; Jesu Gehorsam verbreitet Leben. Achan brachte das Lager in Gefahr; Jesus bringt die Welt in Sicherheit. Achan brachte die Niederlage; Jesus bringt einen Sieg, den kein Hinterhalt umstoßen kann.
Jesus hat die ganze Welt dem Leben geweiht, indem er alle Mächte des Bösen unter seine Füße gelegt hat. Durch sein sühnendes Schlachtopfer hat er die Welt rein gemacht, damit sie der Herrschaftsbereich seines Reiches ist.
Und wenn Gott den wiederhergestellten Gehorsam Israels benutzte, um Ai zu stürzen – wie viel mehr wird er Jesu vollkommenen Gehorsam benutzen, um Sünde und Tod zu stürzen? Das neue Eden wird wirklich kommen. Und wir werden für immer mit Gott darin stehen.
Sieh selbst
Der Heilige Geist öffne dir die Augen für den Gott, der sich der Vernichtung des Bösen geweiht hat, das die Welt zerstört. Und mögest du Jesus als den sehen, der die Welt dem Leben weiht, indem er die Vernichtung in seinem Tod und seiner Auferstehung überwindet.

