Was passiert hier?
Bevor Josua Israel nach Kanaan führte, baten die Stämme Ruben und Gad sowie die Hälfte des Stammes Manasse Mose um einen Erbbesitz in Gilead, jenseits des Jordan in der Wüste (4. Mose 32,5). Genau genommen liegt Gilead außerhalb des Gelobten Landes. Doch diese Stämme erklärten sich bereit, in Kanaan mitzukämpfen und erst danach über den Jordan zurück in ihren Erbbesitz zu ziehen. Mose stimmte dieser Abmachung zu (4. Mose 32,18).
Endlich war die Zeit gekommen, nach Hause zurückzukehren (Josua 22,2 und 6)!
Doch dann geschieht etwas Unerwartetes. Die zweieinhalb Stämme bauen direkt am Jordanfluss einen Altar für Gott (Josua 22,10).
Die übrigen Stämme sind tief empört (Josua 22,16). Das Gesetz des Mose verbot jeden Altar für Schlachtopfer außer dem einen im Tabernakel (5. Mose 12,12-14). Tatsächlich hatte Israel bei der Eroberung andere Altäre im Land niedergerissen (5. Mose 12,2). Es sah so aus, als würden diese Stämme mitten in Gottes Land einen verbotenen Altar errichten (Josua 22,11).
Die Führer Israels ziehen ihnen entgegen, bereit, wenn nötig ihren heiligen Krieg gegen das eigene Volk fortzusetzen (Josua 22,12). Die Israeliten glauben: Wenn sie diesen Altar stehen lassen, wird Gott das ganze Volk richten (Josua 22,20).
Doch alles ist nur ein Missverständnis. Die zweieinhalb Stämme erklären, dass sie den Altar nicht für Schlachtopfer gebaut haben, sondern als Zeichen (Josua 22,26-27). Weil der Jordan als Grenze zwischen ihnen lag, fürchteten sie, künftige Generationen von Israeliten im Gelobten Land könnten sie von Gottes Tabernakel abschneiden (Josua 22,25). Sie bauten den Altar als Erinnerung daran, dass die zweieinhalb Stämme jenseits des Jordan immer noch zu Gottes Volk gehören und immer noch in Gottes Land leben (Josua 22,28).
Wo ist das Evangelium?
Genau an dieser Grenze zwischen dem Gelobten Land und Gilead – und genau an dem Ort, wo damals der Altar gebaut wurde – wurde Jesus getauft (Matthäus 3,13). Er zog aus dem Gelobten Land hinauf an die Grenze des Jordan und ging dann weiter in die Wüste (Matthäus 4,1). Und von diesem Ort außerhalb des Gelobten Landes, jenseits des Jordan, begann Jesus, von seinem Königreich zu predigen (Matthäus 4,15-17).
Jesus wählte diese Orte mit Absicht. Er machte eine Wahrheit sichtbar, die die zweieinhalb Stämme mit ihrem Altar bereits angedeutet hatten: dass der Zugang zu Gott nicht nur Israel offensteht, sondern allen Völkern außerhalb der Grenzen Kanaans (Jesaja 60,3).
Und Jesus ist der eine Altar, den Gott annimmt (Apostelgeschichte 4,12). Das Schlachtopfer seines Leibes am Kreuz hat nicht nur Sünde und Tod zerstört, sondern auch Trennung und Ausgrenzung (Epheser 2,14). Ganz gleich, wo du herkommst: Du brauchst nicht zu fürchten, dass du nicht zu Gottes Volk gehören könntest oder den Zugang zu Gott irgendwie verlieren würdest, wie es die zweieinhalb Stämme befürchteten.
Jesu Schlachtopfer ist ein Zeichen dafür, dass jeder, der seinen Glauben auf ihn setzt, in die Gegenwart Gottes gebracht wird (Matthäus 27,51).
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der allen Völkern einen Weg bahnt, ihm nahe zu kommen. Mögest du Jesus als den endgültigen Altar sehen, um den herum alle Menschen zusammenkommen dürfen.

