Was passiert hier?
Jesus geht an Land und trifft dort auf eine riesige Menschenmenge, die seine Lehre und Heilung sucht. Obwohl er und seine Jünger erschöpft sind, hat Jesus Mitleid mit der Menge und nennt sie „Schafe, die keinen Hirten haben“ (Markus 6,34).
Zum ersten Mal verwendet die Bibel diesen Ausdruck im Buch Numeri (auch: Buch der Zahlen). Mose bittet Gott, einen neuen Anführer für Israel einzusetzen, damit sie nicht „wie Schafe sind, die keinen Hirten haben“ (4. Mose 27,16-17). Daraufhin beruft Gott Josua als Nachfolger von Mose. Markus möchte, dass wir Jesus wie diesen „Hirten“ Josua sehen. Und wie ein guter Hirte versorgt Jesus seine Schafe mit Nahrung.
Auf wunderbare Weise speist Jesus in der Wüste eine Menge von 5000 Juden und eine Menge von 4000 Nichtjuden. Nach jedem dieser Wunder fragen die Leute, wer Jesus eigentlich ist.
Nach der Speisung der 5000 zieht sich Jesus zum Gebet zurück und kommt dann zu seinen Jüngern, indem er über den See Genezareth geht. Er geht an ihnen vorüber, und sie erschrecken zutiefst, weil sie ihn für ein Gespenst halten. Er sagt ihnen, wer er ist, indem er sich selbst mit dem göttlichen „Ich bin“ bezeichnet (Markus 6,50).
Nach der Speisung der 4000 fordern die Pharisäer ein weiteres Zeichen. Jesus soll sich beweisen. Doch als Jesus die Menschenmengen in der Wüste sättigte, bewies er damit, dass er der „Hirte“ ist, auf den Israel gehofft hatte. Die Pharisäer haben ihre Herzen verhärtet, und darum weigert er sich, ihnen etwas vorzuführen.
Zwischen diesen beiden Speisungen beschuldigen die Pharisäer Jesus wegen Sünden, die mit dem Essen zu tun haben. Seine Jünger halten sich nicht an den religiösen Brauch, sich vor dem Essen die Hände zu waschen, und darum sagen die Pharisäer, sie seien unrein. Doch Jesus weist sie sofort auf ihre Heuchelei hin: Die Pharisäer stellen ihre selbst gemachten Gesetze über Gottes Gesetze. Wenn hier jemand unrein ist, dann sind es sie.
Jesus erklärt weiter, dass äußere Dinge uns nicht unrein machen. Unreinheit kommt nicht von unreinen Händen, sondern von einem unreinen Herzen.
Wo ist das Evangelium?
Wenn Jesus sagt, dass die Menschen wie Schafe ohne Hirten sind, dann stellt er sich damit selbst als neuen und besseren Josua dar. Jesus wird der Nachfolger von Mose sein und Israel als Hirte in das wahre Gelobte Land führen. Genau wie Gott in der Wüste Brot und Fleisch für die zwölf Stämme Israels gab, tut Jesus dasselbe und sorgt für zwölf Körbe voller Reste – einer für jeden Stamm!
Doch Jesus ist nicht nur der Erlöser Israels. Er ist der gute Hirte über alle Völker.
Zur Zeit von Josua bekam Gottes Volk den Auftrag, die sieben fremden Völker im Gelobten Land zu vernichten (5. Mose 7,1). Doch als Jesus die nichtjüdischen Völker sieht, hat er Mitleid mit ihnen, genau wie mit Israel, und lässt sieben Körbe voller Reste zurück – einen für jedes der sieben Völker, die Josua vernichten sollte.
Jesus ist der wahre und bessere Hirte, der nicht nur die zwölf Stämme Israels sättigt, sondern auch alle Völker der Heiden befreit.
Jesus zeigt seine Vollmacht, Befreiung zu bringen, indem er über das Wasser geht. Im Alten Testament ist Wasser ein Symbol für Chaos, das Böse und Unordnung (1. Mose 1,2). Jesus ist in den Sturm des Todes hineingegangen und hat ihn durch seine Auferstehung überwunden. Er steht auf den Wassern, die das Böse und die Unordnung in unserer Welt darstellen, und erklärt: „Ich bin.“
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Jesus ist. Und mögest du Jesus als den guten Hirten erkennen, der sein Volk sättigt und befreit.

