Was geschieht hier?
Seit Jahrzehnten leben die Israeliten fern von ihrer Heimat im Exil. Zwar hat Esra begonnen, den tempel Israels wieder aufzubauen, doch Gottes Volk ist nicht sicher. Die Stadtmauern Jerusalems sind niedergerissen und durch Feuer zerstört worden (Nehemia 1,3).
Als Nehemia, ein hoher jüdischer Beamter am Hof des Königs von Persien, von den Mauern und dem Zustand seines Volkes hört, weint er, fastet und betet (Nehemia 1,4). Er betet mit Worten aus dem Buch 5. Mose. Nehemia klagt, dass er und sein Volk Gottes Gesetz gebrochen haben (Nehemia 1,7). Er trauert darüber, dass ihr gegenwärtiges Exil die Folge ihrer Sünde ist (Nehemia 1,8).
Mit anderen Worten: Im Exil hat sich das Gesetz erfüllt. Aber Gott hat auch versprochen: Wenn sein Volk die Gebote des Gesetzes hält und zu ihm umkehrt, wird er es wieder nach Hause bringen (Nehemia 1,9). Nehemia fragt sich, ob er dieses Versprechen aus eigener Kraft und als Stellvertreter Israels erfüllen kann. Vielleicht können sein Gehorsam und seine Fürbitte Israels Exil beenden.
Nach etwa vier Monaten des Fastens und Betens offenbart Nehemia dem persischen König seine Trauer um sein Volk (Nehemia 2,1-2). Das ist ein kalkuliertes Risiko. Nehemia will sein Volk retten, und er weiß, dass der König helfen kann. Doch wenn der König ungehalten reagiert, steht Nehemias Lebensgrundlage auf dem Spiel.
Als der König fragt, was ihm fehlt, bittet Nehemia darum, den König verlassen und mit der Zusage königlichen Schutzes nach Israel zurückkehren zu dürfen (Nehemia 2,7). Nehemia bittet außerdem um das Geld und das Material, die für den Wiederaufbau der Mauer nötig sind (Nehemia 2,8a). Und erstaunlicherweise stimmt der König zu. Gottes Hand ruht auf Nehemia und lenkt das Herz des Königs zu seinen Gunsten (Nehemia 2,8b). Gott antwortet auf Nehemias betenden Gehorsam und beginnt, sein Volk nach Hause zu bringen.
Wo ist das Evangelium?
Seit der Schöpfung war es immer Gottes Plan, ein Zuhause zu haben, in dem er mit uns leben kann (2. Mose 29,45). Genau das war der Garten Eden – ein Zuhause für Gott und sein Volk. Doch wie schon im Garten ist Gottes Volk ungehorsam und wird von seinem Zuhause bei Gott getrennt (1. Mose 3,24). Exil ist nicht bloß ein politischer Begriff, es ist eine geistliche Wirklichkeit.
Aber Gott hat gnädige Zusagen gemacht: Er will sein Volk aus dem Exil herausführen und zu sich zurückbringen. Er verspricht sogar, die Trümmer Israels wieder in einen neuen Garten Eden zu verwandeln (Hesekiel 36,35). Doch diese Zusagen können sich nur erfüllen, wenn jemand wie Nehemia bereit ist, für Menschen Fürbitte einzulegen und stellvertretend gehorsam zu sein, die es nicht wollen und nicht können. Dieser Anführer ist Jesus. Jesus ist der Anführer, der alle Zusagen Gottes erfüllen kann (2. Korinther 1,20).
Wie Nehemia für die Verbannten eintrat, so tritt Jesus für uns ein (Römer 8,34). Wie Nehemia stellvertretend für sein Volk gehorchte, so erfüllt Jesus das Gesetz für uns (Matthäus 5,17). Wie Nehemia gab Jesus seine hohe Stellung auf, um sein bedürftiges Volk zu retten (Philipper 2,6-7). Und so wie Gottes Hand auf dem König von Persien ruhte, um Nehemia und Gottes Volk Schutz und Versorgung zu geben, so ruhte Gottes Hand auf den Machthabern zur Zeit Jesu. Gott beschützte sein Volk und schenkte ihm ein Zuhause – nicht mit Geld, sondern um den Preis seines eigenen Sohnes (Apostelgeschichte 2,23).
Freiwillig gab Jesus seine Vollmacht auf, um uns ein Zuhause zu geben. Als Schlachtopfer gab Jesus sein Leben hin, um uns aus unserem Exil zu befreien. Vollkommen gehorchte er bis in den Tod, damit wir im GLAUBEN als rechtschaffene Einheimische in einem neuen Garten Eden leben können (Römer 4,24). Jesus ist der Anführer, den unsere verbannten Herzen brauchen. Vertraue ihm, und schon bald wirst du zu Hause sein.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, dessen Gnade größer ist als unsere Sünde. Und dass du Jesus als den erkennst, der in unser Exil kommt, um uns nach Hause zu bringen.

