Was passiert hier?
Zerubbabel und einige zurückgekehrte Verbannte haben begonnen, den tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Doch sie sind nicht allein. Zwar wurden sie mit der Erlaubnis und Vollmacht des persischen Königs Kyrus gesandt, aber Jerusalems Feinde in Samaria sind nicht bereit, das Land loszulassen, das sie sich während der Abwesenheit Israels angeeignet hatten (Esra 4,1).
Die Samariter sind in der Bibel dafür bekannt, dass sie ihre heidnischen religiösen Praktiken mit der Anbetung des Gottes Israels vermischten (2. Könige 17,25). Und so bieten sie an, beim Bau des tempels Israels zu helfen. Doch das ist kein Akt der Nächstenliebe (Esra 4,2). Es ist ein Weg, den Fortbestand und die Vorherrschaft ihrer synkretistischen Religion zu sichern, nachdem Israel seinen Ort der Anbetung wieder aufgebaut hat. Aber Israels Verantwortliche lehnen ihre Hilfe ab und bewahren so die Reinheit des tempels Gottes (Esra 4,3).
Stattdessen versuchen die Samariter, das Bauprojekt zu stoppen – durch eine Reihe von Bestechungen und rechtlichen Anklagen, die sie über mehrere Jahre hinweg in mehreren Briefen nach Persien schicken (Esra 4,5). Um die Schwere der Bedrohung zu belegen, springt die Erzählung voraus zur Regierungszeit des persischen Königs Artaxerxes (Esra 4,7). Unter seiner Herrschaft werden die Anklagen der Samariter festen Boden gewinnen und schließlich den Bau des tempels zum Stillstand bringen (Esra 4,23). Die Bedrohung durch die Samariter wird real und langanhaltend sein.
Doch dann springt die Erzählung zeitlich zurück zu den ersten Versuchen der Samariter, Zerubbabels Werk zu untergraben. Etwa 16 Jahre lang gelingt es ihnen, die Verbannten zum Baustopp zu zwingen und den Fortbestand ihrer falschen Anbetung zu sichern. Doch unter der Anleitung zweier Propheten nimmt Zerubbabel die Bauarbeiten wieder auf (Esra 5,2). Das veranlasst die Samariter, einen weiteren langen Brief nach Persien zu schreiben, das nun von König Darius regiert wird (Esra 5,6). Aber als Darius der Sache nachgeht, entdeckt er das Dekret des Kyrus wieder, das Zerubbabel das Recht zum Wiederaufbau gab (Esra 6,1-2). Aus Achtung vor seinem Vorgänger verstärkt Darius den Schutz und die Versorgung Israels sogar noch (Esra 6,8).
Mit neu gewonnener Freiheit und neuen Vorräten wird der tempel fertiggestellt, und die falsche Anbetung der Samariter wird durch Israels Gehorsam gegenüber Gott zu Fall gebracht (Esra 6,14). Israel feiert ein Fest und weiht den tempel ein, indem es über 700 Schlachtopfer darbringt (Esra 6,16).
Bedeutsam ist: Israels Verantwortliche bringen 12 Ziegenböcke als Sündopfer dar (Esra 6,17). Sie sind ein symbolisches Eingeständnis der Schuld des ganzen Volkes. Israels 12 Stämme waren, wie die Samariter um sie herum, nicht Gott allein treu gewesen. Doch die Schlachtopfer waren auch ein Zeichen dafür, dass Gott bereit war zu vergeben und seine Zusagen an sie zu halten. Da die wahre Anbetung wiederhergestellt und der tempel neu gebaut war, konnten nun sogar Außenstehende in die Gegenwart Gottes kommen. Jeder, der sich freiwillig von seinen falschen Religionen trennt und sich Gott allein hingibt, darf mitfeiern (Esra 6,21).
Wo ist das Evangelium?
Auch Jesus hatte eine Begegnung mit einer Samariterin, in der es um den tempel ging (Johannes 4,7). Wie die Samariter in Esra behauptete sie, Gott anzubeten, während sie die vermischten Glaubensvorstellungen ihrer Vorfahren praktizierte (Johannes 4,20). Jesus weigerte sich, die Reinheit dessen zu verwässern, was Hingabe an Gott allein bedeutet (Johannes 4,22). Er sagte, dass reine Hingabe an Gott nicht an einem Ort hängen würde, wie am tempel Israels (Johannes 4,21). Wahre Anbetung würde stattdessen auf einer Person beruhen – auf Jesus selbst. Jesus ist der endgültige Ort der unvermischten und unverfälschten Gegenwart Gottes.
Wie die Briefe der Samariter, die an mehrere Könige gesandt wurden, um den tempel Israels zu verhindern, so schleppten die Feinde Jesu ihn von Herrscher zu Herrscher, um ein Todesurteil für ihn zu erreichen (Lukas 23,7). Wie die Feinde Israels es schafften, das tempelprojekt zu stoppen, so schafften es die Feinde Jesu, den Leib Jesu zu zerstören – den letztgültigen tempel Gottes. Doch der Tod Jesu war auch unser endgültiges Sündopfer – nicht nur für die 12 Stämme Israels, sondern für alle Menschen. In Jesus ist unsere Schuld erlassen, und wir sind eingeladen zu feiern!
Wie die Samariter haben wir unsere religiösen und moralischen Vorlieben mit der wahren Anbetung Gottes vermischt. Wir vertrauen zwar Jesus, aber wir haben unsere eigenen Ideen, Verhaltensweisen und Formen der Anbetung hinzugefügt – und darin zeigt sich die Unreinheit unseres GLAUBENS. Doch durch seine Gabe am Kreuz vergibt Jesus unser geteiltes Herz und verspricht, jeden, der ihm allein vertraut, zu einem neuen tempel aufzubauen; zu einem neuen Ort, an dem Gott wohnt. Also feiere! In Jesus wird Menschen wie uns – geteilten und vermischten Menschen – vergeben, und sie werden rein gemacht.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der die Pläne seiner Feinde gebraucht, um sogar die zu retten, die sich gegen ihn stellen. Und dass du Jesus als das endgültige Sündopfer für die Welt siehst.

