Was passiert hier?
Nehemias Amtszeit in Jerusalem ist vorläufig zu Ende. Die Mauern sind wieder aufgebaut, eine neue Führung ist eingesetzt, und der persische König ruft Nehemia zurück nach Hause, um einen vollständigen Bericht zu erhalten. Doch bevor er aufbricht, setzt Nehemia noch einmal alles daran, die Stadt mit seinen Landsleuten, den Israeliten, zu besiedeln. Durch das Los erklärt sich ein Zehntel der Israeliten aus dem umliegenden Gebiet bereit, in Jerusalem zu wohnen (Nehemia 11,1-2). Und damit Gottes Volk in Gottes Stadt leben und ihn auf rechte Weise anbeten kann, braucht es Priester, die den Dienst in Gottes tempel tun. Bevor Nehemia geht, achtet er sorgfältig darauf, die zurückgekehrten Familien namentlich zu nennen, die dazu befähigt sind (Nehemia 11,20-21).
Die Mauer wird feierlich eingeweiht und – noch wichtiger – die Gründung von Gottes Stadt wird gefeiert (Nehemia 12,27). Nicht nur ein Zehntel, sondern jeder tempelsänger, den man finden kann, wird in die Stadt gerufen, um mitzufeiern (Nehemia 12,28). Unzählige Instrumente und hunderte Stimmen ziehen von der Mauer zum tempel, wo die Anbetung Gottes endlich wiederhergestellt wird (Nehemia 12,43). Wieder einmal wird das Gesetz gelesen, und Israel tut Buße (Nehemia 13,1). Nehemia feiert, dass Israel seine abgöttischen Verbindungen mit fremden Völkern gelöst hat, dass der Sabbat wieder gehalten wird und der tempel endlich geheiligt ist. Gottes Volk ist zurück in Gottes Stadt, mit Gottes Priester in Gottes tempel (Nehemia 11,18). Nehemia übergibt die Stadt in die Hände des von ihm neu eingesetzten Statthalters und Priesters, während er nach Persien zurückkehrt und dem König Bericht erstattet (Nehemia 13,6).
Doch einige Jahre später kommt Nehemia zurück und stellt fest: Sein Volk bricht all die Gebote, die es gerade noch geschworen hatte zu halten. Sie hatten ihre abgöttischen Verbindungen mit fremden Völkern wieder aufgenommen, den Sabbat gebrochen und den tempel entweiht. Nehemia löst sofort ihre Bündnisse mit den Fremden auf, wirft die Sabbatbrecher hinaus und stellt den Dienst im tempel wieder her.
Dreimal tritt Nehemia für sein Volk ein und bittet Gott, sich an seine guten Taten zu erinnern und nicht an das Böse seines Volkes (Nehemia 13,14). Tatsächlich sind das die letzten Worte des Buches: „Denk an mich, mein Gott, und wende mir dein Wohlwollen zu!“ (Nehemia 13,31). Nehemia hofft, er könne als Stellvertreter für Israel einstehen und so ein weiteres Eingreifen Gottes verhindern, das die Mauern, die er gerade gebaut hat, wieder zerstören und sein Volk erneut ins Exil schicken würde.
Wo ist das Evangelium?
Israel erholte sich nie von seiner Abgötterei und dem Exil. Volk und Land gingen von einem Weltreich zum nächsten über – bis zur Zeit Jesu. Aber Jesus tut, was Nehemia tun wollte, aber nicht konnte. Am Kreuz tritt Jesus als unser Stellvertreter ein (1. Petrus 3,18). Und Gott erinnert sich an seine guten Taten anstatt an das Böse, das wir getan haben (2. Korinther 5,21). Wie ein treuer Priester tritt Jesus für uns ein und schafft einen Weg, dass wir ein neues Volk Gottes sein können, das treu in Gottes Stadt und in seinem Reich lebt.
Denn wenn Jesus sein Volk verlässt, um zum König zurückzukehren, sind wir nicht dazu verdammt, in unsere Muster der Sünde zurückzufallen (Johannes 14,18). Anders als Nehemia lässt Jesus uns seinen Heiligen Geist, der den Gehorsam fortführt, den er in uns begonnen hat (Galater 5,16). Dank des Geistes sind wir nicht dazu verdammt, immer wieder die Gebote zu brechen, die wir zu halten versprochen haben.
Stattdessen macht Gott uns fähig, den Geboten Jesu zu gehorchen, während wir auf seine Wiederkunft warten. Und wenn er kommt, dann kommen auch ein Neues Jerusalem und ein neues Reich (Offenbarung 21,2). Die Heimat und die Stadt, auf die Israel gehofft hat, werden endlich kommen. Jesus wird nicht nur ein Zehntel seines Volkes, sondern sein ganzes Volk in seine Mauern bringen. Und mit weit mehr Freude, als alle Sänger Israels aufbringen konnten, werden wir aus voller Kehle triumphierend singen, wenn wir in unsere endgültige Heimat bei Gott eingehen (Offenbarung 19,6).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der einen ewigen Plan hat, um uns Hoffnung und Zukunft zu schenken. Und mögest du Jesus als die Fülle von Gottes Plan sehen – der uns die Hoffnung auf eine ewige Heimat bei ihm bringt, indem er an unserer Stelle am Kreuz stirbt.

