Was passiert hier?
Seit über hundert Jahren hat es in Jerusalem keinen König mehr gegeben. Doch Nehemia wird handeln wie der König, den Israel braucht. Zwar sind einige Juden aus dem Exil zurückgekehrt, aber weil ihnen ein gottesfürchtiger König fehlt, haben sich Korruption, Ungerechtigkeit und ein weit verbreiteter Ungehorsam gegenüber Gottes Gesetzen ausgebreitet. Und die zerfallenen Mauern Jerusalems sind ein Sinnbild für Israels verfallene Führung und moralische Autorität. Nehemia hat begonnen, Israels zerbrochene Mauern wieder aufzubauen, aber er muss auch Israels zerbrochene Führung wieder aufbauen.
Nehemia erfährt von schwerer wirtschaftlicher Ungerechtigkeit unter seinem Volk (Nehemia 5,1). Um die Steuern des persischen Königs bezahlen und während einer Dürre Nahrung kaufen zu können, mussten viele ärmere Juden ihre Felder und sogar ihre Kinder als Sicherheit für Darlehen verpfänden (Nehemia 5,3-5). Gleichzeitig wurden die Reichen der Stadt noch reicher, weil sie die Erträge aus dem verpfändeten Land und der verpfändeten Arbeitskraft für sich behielten (Nehemia 5,7).
Empört fordert Nehemia die führenden Männer heraus, alle Pfänder und alle Gewinne, die sie auf Kosten des Volkes gemacht haben, den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben (Nehemia 5,11). Und überraschenderweise hören die Verantwortlichen auf ihn und tun Buße für ihre Korruption. Nehemia wird als Statthalter über Juda eingesetzt und regiert weiter in Gerechtigkeit. Er weigert sich, die Vergünstigungen anzunehmen, die ihm als Statthalter zustehen (Nehemia 5,14). Stattdessen setzt er seinen Reichtum ein, um seinen Beamten und all denen zu dienen, die zu ihm kommen, um Gerechtigkeit zu erlangen (Nehemia 5,17). Nehemia handelt wie der König, den Jerusalem braucht – und unter seiner Herrschaft werden die Mauern Jerusalems errichtet, bis auf die Tore.
Nehemias Feinde werden immer verzweifelter (Nehemia 6,1). Bevor er die Tore einsetzen kann, versuchen sie, ihn vor die Stadtmauer zu locken – vermutlich, um einen Waffenstillstand zu schließen. Doch Nehemia durchschaut die Falle (Nehemia 6,2). Also streuen sie stattdessen Propaganda in die Stadt und behaupten, Nehemia wolle den Thron Jerusalems an sich reißen und sich gegen den König von Persien auflehnen (Nehemia 6,6). Diese Lüge trägt einen Hauch von Wahrheit in sich. Nehemia hat immer mehr Kontrolle über Israel übernommen, und Israel braucht tatsächlich einen neuen König. Aber Nehemia macht deutlich: Das Königtum ist nicht seine Absicht – und es gelingt ihm, die Lügen der Feinde zu stoppen (Nehemia 6,8). Und mit Gottes Hilfe werden die Tore eingesetzt und die Mauern in unmöglich kurzen 52 Tagen wieder aufgebaut (Nehemia 6,15).
Die Stadt ist jedoch leer. Keines der Häuser innerhalb der Stadt ist wieder aufgebaut, und der größte Teil Israels lebt noch im Exil (Nehemia 7,4). Deshalb ruft Nehemia sein Volk zurück in die Stadt und zählt die Namen derer auf, die in Esra 2 den Tempel wieder aufgebaut haben (Nehemia 7,5). Im Glauben kehrten diese Verbannten damals in ihre Heimat zurück, um Gottes Tempel wieder aufzubauen. Nun, da die Mauern stehen, fordert Nehemia eine neue Generation heraus, nach Hause zu kommen und wieder Gottes Volk zu sein.
Wo ist das Evangelium?
Nehemia handelte wie ein König. Sogar seine Feinde wiesen darauf hin, dass Nehemias Führung die Worte der Propheten Israels zu erfüllen schien (Nehemia 6,7). Und der Wiederaufbau Jerusalems sollte den Weg dafür bereiten, dass Israels wahrer König zurückkehrt (Jeremia 33,15). Doch Nehemia war nicht Israels König. Tatsächlich sollte Israel erst mit Jesus wieder einen eigenen König haben.
Zur Zeit Jesu wuchsen, wie schon zur Zeit Nehemias, Ungerechtigkeit und Unterdrückung in Israel ungehindert. Die Feinde Jerusalems nahmen ihr Land ein und setzten sogar ihre eigenen Könige ein (Lukas 1,5). Und viele Juden lebten noch im Exil. Aber wie Nehemia kam Jesus nach Jerusalem, um der Anführer zu sein, den sie brauchten.
Er kümmerte sich um die Armen und wies ihre Unterdrücker zurecht. Wie Nehemia verzichtete er auf den Reichtum, der ihm zustand, und versorgte stattdessen die Bedürftigen (Philipper 2,6-7). Doch anders als Nehemia schaffte er Gerechtigkeit nicht, indem er innerhalb der Stadtmauern blieb, als sein Feind ihm eine Falle stellte, sondern indem er hinaus vor die Mauern ging, mitten in die Hände seines Feindes (Hebräer 13,12). Nehemias Feinde nannten ihn König in der Hoffnung, dass es ihn das Leben kosten würde; Jesu Feinde aber nannten ihn spöttisch König bei seinem Tod (Lukas 23,38). Doch anders als bei Nehemia hätte dieser Titel für Jesus nicht treffender sein können. Jesus ist der König, von dem die Propheten sprachen. Er ist der Anführer, der Gerechtigkeit bringt, der vor Feinden schützt und uns ein Zuhause baut.
Letztlich wird Jesus das tun, wenn er zurückkommt. In seiner endgültigen Stadt wird König Jesus das Böse und die Unterdrückung für immer auslöschen (Offenbarung 21,4). Er wird uns bewahren und vor allem Schaden beschützen (Offenbarung 22,3). Und als König der ganzen Erde wird Jesus alle Völker als ein Volk zu sich bringen (Offenbarung 22,2). Jesus ist der König, den wir brauchen.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der seinem Volk immer den Anführer gibt, den es braucht. Und mögest du Jesus als unseren endgültigen König sehen, der Gerechtigkeit, Sicherheit und ein Zuhause für alle Menschen bringt.

