Was geschieht hier?
In Matthäus 3 verkündete Johannes der Täufer mutig, dass Jesus Gottes gesalbter Diener ist, genannt Christus oder Messias. Viele Juden erwarteten, dass der Messias ein militärischer Anführer sein würde, der die römische Besatzung stürzt und in Jerusalem wieder einen königlichen Thron errichtet.
Stattdessen ist Jesus ein obdachloser Lehrer. Schlimmer noch: Johannes der Täufer sitzt im Gefängnis – gefangen genommen von genau den Mächten, die Jesus nach Meinung vieler an sich reißen sollte (Matthäus 11,2).
Es überrascht also nicht, dass Johannes einige seiner Anhänger schickt, um Jesus direkt zu fragen. Ist er wirklich Gottes auserwählter Erlöser?
Jesus antwortet mit einer Aufzählung dessen, was er getan hat: Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, und den Armen wird die Frohe Botschaft verkündet (Matthäus 11,5).
Das war nicht die politisch aufgeladene Antwort voller Genugtuung, die die Menschen erwartet hatten.
Anschließend weist Jesus mehrere galiläische Städte zurecht, die seine Wunder mit eigenen Augen gesehen hatten und seiner Botschaft dennoch nicht glauben wollten (Matthäus 11,21). Jesus sagt, ihre Strafe werde schlimmer sein als jedes Gericht, von dem das Alte Testament berichtet (Matthäus 11,22).
Sie glaubten nicht, denn niemand kann wirklich erkennen, wer Jesus ist, wenn er sich ihnen nicht selbst offenbart (Matthäus 11,27). Und in einem Gebet dankt Jesus Gott dafür, dass die Wahrheit den Klugen verborgen und den „Unmündigen“ offenbart ist (Matthäus 11,25).
Wo ist das Evangelium?
Die Jünger von Johannes stellen eine Frage, die auch wir heute alle stellen: „Ist Jesus der Erlöser, den wir brauchen?“
Jesus antwortet mit einem Text aus dem Alten Testament, vom Propheten Jesaja. Jesaja schrieb, dass Gott die Verherrlichung Israels wiederherstellen und Vergeltung und Gericht bringen werde (Jesaja 35,4). Das war die Erlösung, die sich die Menschen wünschten.
Doch Jesus würde die Erlösung nicht durch Gewalt bringen. Schon im nächsten Vers sagt Jesaja, dass Erlösung viel mehr dem Heilen von Kranken gleicht als dem Besiegen der Mächtigen (Jesaja 35,5).
Wir tragen Krankheit, Gebrechen, Unreinheit, Taubheit, Blindheit und Armut in uns – körperlich wie geistlich. Unser körperlicher Tod und unsere Krankheiten sind die Folge einer geistlichen Auflehnung (1. Mose 2,17).
Deshalb kommt Jesus und rettet uns vor unserem schlimmsten Feind – der Sünde und ihrer Folge, dem Tod.
Aber was sollen wir davon halten, dass Jesus Gott dafür dankt, dass er seine Identität vor den Städten verbirgt, die zerstört werden?
Jesus sagt uns, vor wem seine Identität verborgen ist: vor den Klugen und Gebildeten. Er kam nicht, um die zu retten, die sich für sicher halten, sondern die wissen, dass sie es nicht sind. Darum konnte er zu denen, die an ihn glaubten, sagen: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last zusammenbrecht! Ich werde euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der seinen Sohn denen offenbart, die ihn am nötigsten brauchen. Und möge dir Jesus vor Augen stehen als Gottes auserwählter Diener, der uns barmherzige Ruhe anbietet.


