Was geschieht hier?
In einer Vision fordert Jesus Johannes auf, an sieben verschiedene Kirchen zu schreiben, die Verfolgung erleiden und darum ringen, sie treu durchzustehen. Johannes ermutigt jede Kirche, in ihren Leiden auszuharren, denn wenn sie Jesus treu bleiben, werden sie ewiges Leben empfangen. Um das zu belegen, wendet Johannes Geschichten aus der hebräischen Bibel auf jede Kirche an und zeigt ihnen, dass Gott den Leidenden, Bedrängten und Versuchten immer Leben schenkt.
Die Kirche in Ephesus widersteht einer Gruppe falscher Lehrer, doch über ihrem Festhalten an der gesunden Lehre ist ihre Liebe auf der Strecke geblieben (Offenbarung 2,1-6). Jesus lobt sie für ihr Durchhalten, ruft sie aber auch zur Buße. Wenn sie zur Liebe zu Gott und zu den Menschen zurückkehren, verspricht Jesus, dass sie von demselben Baum des Lebens essen werden, der Adam und Eva im Garten zugänglich war, und für immer leben werden (Offenbarung 2,7).
Auch die Gläubigen in Smyrna werden angegriffen, und zwar von ihren jüdischen Brüdern. Wie Josef im Buch 1. Mose werden sie mit Gefangenschaft und Tod bedroht (Offenbarung 2,8-9). Doch Jesus sagt ihnen, dass sie – selbst wenn sie sterben – wie Josef einen Siegeskranz empfangen und für immer mit Gott herrschen werden (Offenbarung 2,10-11).
Die Kirche in Pergamum kämpft gegen heftigen geistlichen Widerstand, ganz ähnlich wie die Israeliten in der Wüste, als sie durch Bileam versucht wurden. Damit sie ihre Gläubigkeit gegenüber Jesus nicht dadurch aufs Spiel setzen, dass sie sexuelle Unmoral und Abgötterei zulassen, fordert Jesus sie auf, Buße zu tun und ihre Begierden zu ihm zu bringen (Offenbarung 2,12-15). Wenn sie das tun, wird Jesus sie ernähren, wie er Israel in der Wüste ernährt hat. Das neue Manna, das Jesus gibt, wird ihre Begierden für immer stillen (Offenbarung 2,16-17).
Die Gläubigen in Thyatira dulden trotz ihrer treuen Liebe und ihrer Ausdauer sexuelle Unmoral und Abgötterei – genau wie Israel unter dem Einfluss Isebels (Offenbarung 2,20-23). Diese Sünden führten dazu, dass Israel von den Babyloniern ins Exil geführt wurde. Darum sagt Jesus dieser Kirche, sie solle sich allein seinem Einfluss anvertrauen, wenn sie über die Völker herrschen und nicht von ihnen besiegt werden will (Offenbarung 2,26-27).
Die Kirche in Sardes soll ein Außenposten von Gottes Königreich in ihrer Stadt sein, doch ihr Handeln verrät einen zunehmenden geistlichen Tod und Verfall. Sie gleicht dem untreuen Israel im Exil und lässt zu, dass die Sünde der Völker ihre geistliche Treue langsam betäubt. Jesus sagt, sie muss aus ihrem geistlichen Schlaf aufwachen – und Gott verspricht, dass ihr Bürgerrecht im Himmel niemals widerrufen wird (Offenbarung 3,1-5).
Die Kirche in Philadelphia ist dem Weg Jesu zutiefst verpflichtet und stirbt dafür (Offenbarung 3,7-9). Jesus sagt: Selbst wenn sie in der Verfolgung sterben, sind sie Sieger wie Könige und Königinnen. So wie ihre Vorfahren nach dem Exil ihren Tempel wieder aufbauten, ist auch ihr Tod nicht sinnlos. Gott gebraucht ihr hingegebenes Leben, um seinen neuen Tempel auf der Erde zu errichten, in dem Gott immer bei ihnen sein wird (Offenbarung 3,10-13).
Schließlich haben die Gläubigen in Laodizea ihre Gläubigkeit gegenüber Jesus mit ihrer Kultur vermischt. Sie sind wie lauwarmes Wasser – das Produkt zusammengeführter Quellen, die nicht vermischt werden sollten und die man nicht trinken kann (Offenbarung 3,14-18). Doch wenn sie ihren Kompromiss aus heiß und kalt aufgeben und sich von ganzem Herzen auf den opferbereiten Weg Jesu einlassen, werden auch sie wie Jesus auferstehen und mit ihm über die Welt herrschen (Offenbarung 3,19-21).
Wo ist das Evangelium?
Jeder der Briefe des Johannes an die sieben Kirchen verweist auf Geschichten, die sich durch den Handlungsbogen der Bibel ziehen. Doch der einzige Brief des Johannes, der keinen Bezug auf eine Geschichte aus dem Alten Testament enthält, ist der an das lauwarme Laodizea. Stattdessen werden diese Gläubigen unmittelbar an die Worte von Jesus erinnert (Matthäus 24,33; Lukas 12,35-36). Jesus ist der Höhepunkt der Geschichte des Alten Testaments und der endgültige Beweis dafür, dass Gott denen ewiges Leben schenkt, die im Leiden treu bleiben.
Die ganze Geschichte des Volkes Gottes in der Bibel ist eine Geschichte des Durchhaltens angesichts von Verfolgung und Versuchung. Johannes lädt seine Leser ein, in die Geschichte ihrer Vorfahren einzutreten. Doch die Bedrohungen, von denen in diesen Kapiteln die Rede ist, betreffen nicht nur die Leser von Johannes. Auch wir kennen ähnliche Kämpfe: erkaltete Leidenschaft, falsche Lehrer, das Versagen darin, Gott und andere zu lieben, und den Druck, uns der Kultur unserer eigenen Zeit anzupassen. Sich auf den Weg Jesu einzulassen hat immer Leiden und Tod hervorgerufen und wird es immer tun (Johannes 15,18-20).
Doch die Frohe Botschaft ist: So wie Jesus treu war und von den Toten auferstanden ist, so wird er auch uns auferwecken, wenn wir ihm treu sind. Wenn wir uns unter Opfern der falschen Lehre widersetzen, gibt er uns königliche Kronen. Wenn wir uns von ganzem Herzen dem Gehorsam verschreiben, selbst wenn er zum Tod führt, macht er uns Platz auf seinem Thron. Am Anfang eines langen Buches, das von großem Schmerz und Leid erzählt, das bald über die Welt hereinbrechen wird, erinnert Jesus uns daran, dass das Schlimmste, was die Welt tun kann, ist, uns zu töten. Und wie bei Jesus führt unser Tod nur zum Sieg.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der denen ewiges Leben schenkt, die durchhalten. Und mögest du Jesus als den sehen, der uns auferweckt, damit wir bei Gott sind – auch wenn wir sterben.

