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Andacht

Römer 9,30-11,36

Israels zukünftige Hoffnung

In Römer 9,30-11,36 sehen wir, dass Gott sogar Ablehnung und Ungehorsam benutzt, um am Ende seine Verheißungen der Erlösung zu erfüllen.

Was passiert hier? 

In den ersten acht Kapiteln seines Briefes an die Römer hat Paulus erklärt, wie all die Verheißungen, die Gott Israel im Alten Testament gegeben hat, durch den Glauben an Jesus auch Nichtjuden gegeben worden sind. Doch während die nichtjüdische Welt beginnt, die Botschaft von Jesus anzunehmen, haben viele von Paulus' jüdischen Landsleuten sie ihrerseits abgelehnt. Manche fragen sich sogar, ob Gott seine Verheißungen an die Juden gebrochen hat, weil er Nichtjuden mit hineinnimmt. Aber Paulus sagt: Das ist absolut nicht der Fall. Gottes Verheißungen waren nie nur für Juden gedacht. Gottes Plan war seit Abraham, die ganze Welt zu segnen (Römer 9,6-9). Dass Nichtjuden Gottes Verheißungen nun endlich erfahren, liegt nicht daran, dass Gott seine Verheißungen gebrochen hätte, sondern daran, dass sie Gott vertrauen – so wie Israel es immer hätte tun sollen (Römer 9,30-31).

Gott wollte, dass Israel ihm vertraut. Doch anstatt Gott zu vertrauen, vertraute Israel immer wieder sich selbst. Anstatt zu glauben, dass Gott seine Verheißungen erfüllen würde, weil er treu ist, verließen sie sich auf ihre eigenen Anstrengungen (Römer 9,33-10,4). Sie meinten, ihre guten Werke könnten ihnen ein gutes Ansehen vor Gott verschaffen und ihn verpflichten, seine Verheißungen zu halten (Römer 9,31-32). Schon im Buch 5. Mose sagte Gott seinem Volk, dass der Empfang seiner Segensverheißungen keine Frage von Taten ist, sondern eine Frage des Bekenntnisses und des Glaubens (Römer 10,5-8; 5. Mose 30,14). Deshalb bekommt jeder, der an Jesus glaubt und bekennt, dass er sein Gott ist, alles, was Gott versprochen hat – ob er Jude ist oder nicht (Römer 10,9-13). In der ganzen jüdischen Heiligen Schrift war es immer der Glaube, der Gottes Verheißungen freisetzt, nicht die Anstrengung oder der Gehorsam des Volkes Gottes.

Gott hat Israel nicht vergessen. Vielmehr lädt er alle Menschen ein, durch das Vertrauen auf Jesus wahre Israeliten zu werden. Die nichtjüdische Welt reagiert schon so, wie Israel hätte reagieren sollen. Deshalb bittet Paulus seine jüdischen Landsleute inständig, ihre Beziehung zu Gott als ein Geben und Nehmen aufzugeben und den Glauben ihrer Vorfahren wiederzuentdecken. Gott hat all seine Verheißungen an sein Volk in Jesus erfüllt (Römer 10,14-21). Dann sagt Paulus, dass er selbst – als Jude, der an Jesus glaubt – der Beweis dafür ist, dass Gott seine Verheißungen an Israel nicht aufgegeben hat, sondern sie weiterhin bewahrt (Römer 11,1-6). Zurzeit hat die Mehrheit der Israeliten Jesus abgelehnt und steht damit tatsächlich außerhalb von Gottes Verheißungen für sein Volk (Römer 11,7-10). Doch das wird kein Dauerzustand sein (Römer 11,11-12). Paulus ist überzeugt: Dass Nichtjuden in Gottes Verheißungen hineingenommen werden, wird bei seinen jüdischen Brüdern und Schwestern Neid hervorrufen und sie dazu bringen, sich mit dem Glauben ihrer Vorfahren zu versöhnen (Römer 11,13-16). Während viele Juden gegenwärtig außerhalb von Gottes Verheißungen stehen, beharrt Paulus darauf, dass Gott seine Verheißungen an sein Volk nicht vergessen hat, und hofft auf ihre zukünftige Buße und ihren Glauben.

Wo ist das Evangelium?

Paulus hofft: Weil die Welt Israels Gott im Glauben angenommen hat, werden Juden in aller Welt schließlich ihrem Beispiel folgen. Doch Paulus geht auch sofort auf jeden geistlichen Stolz ein, den Heiden aufgrund ihrer derzeitigen Stellung in der Geschichte Israels empfinden könnten. Mit dem Bild eines Ölbaums sagt er seinen nichtjüdischen Lesern, dass sie wie wilde Zweige sind, die in den alten Stamm des Glaubens an den Gott Israels eingepfropft wurden (Römer 11,17-18). Es stimmt, dass Gott Platz für sie geschaffen hat, indem er ungläubige Zweige abgehauen hat – doch das ist kein Grund zur Überheblichkeit. Wenn Gott natürliche Zweige entfernt hat, kann er ganz sicher auch nicht natürliche Zweige abschneiden. Nichtjuden müssen demütig erkennen, dass sie nicht nur auf den Schultern jüdischer Heiliger stehen, sondern auch nur durch den Glauben an Israels Gott Teil von Gottes Stammbaum bleiben (Römer 11,19-24). 

Paulus fährt fort und sagt, dass ein großes Geheimnis am Werk ist, das sowohl Juden als auch Heiden verstehen müssen. Gott kann allen nur dann Barmherzigkeit erweisen, wenn alle ihn ablehnen (Römer 11,32). Zuerst lehnte die Welt der Nichtjuden Gott ab, doch Gott erwählte die Juden, damit der Rest der Welt Gottes Verheißungen empfangen konnte (1. Mose 12,1-3). Weil aber nun die jüdische Welt Gott ablehnt, hat Gott jetzt Nichtjuden erwählt, um durch sie jüdische Gläubige mit den Verheißungen ihrer Vorfahren zu versöhnen. Auf geheimnisvolle Weise wendet Gott den Ungehorsam von Juden und Nichtjuden ins Gegenteil, damit das ganze Volk Gottes in Gottes Verheißungen und in Gottes Familie hineingenommen wird (Römer 11,25-27). Der jüdische Unglaube gegenüber Jesus ist keine Bedrohung für Gottes Verheißungen an sein Volk. Genau das Gegenteil ist der Fall. Nur durch den Ungehorsam kann Gott seinem Volk am Ende alles geben, was er versprochen hat – nicht aufgrund dessen, was sie getan haben, sondern allein aus seiner Barmherzigkeit (Römer 11,28-32). Paulus beendet diesen Gedankengang mit einem Lobgesang, der feiert, dass Gott alles benutzen kann – sogar hartnäckige Ablehnung und Ungehorsam –, um seine Verheißungen an die Welt zu halten (Römer 11,33-36). 

Die ganze Geschichte des Volkes Gottes, von Abraham bis zu dir, ist die Geschichte davon, wie Gott das Böse durch Barmherzigkeit ins Gegenteil verkehrt. Wenn du Gott ungehorsam warst oder ihn abgelehnt hast … gut. Dann bist du genau am richtigen Ort, um seine Barmherzigkeit zu erfahren.  

Überzeuge dich selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der seine Verheißungen hält. Und mögest du Jesus als den sehen, der Gottes Verheißungen für alle wahr gemacht hat, die an ihn glauben.

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