Tag 6

Obersaal: Warum Gott uns warten lässt

Warten ist keine Schwäche. Es ist das Gegenteil von Babel.

Apostelgeschichte 1,4-5; Markus 1,1-15;

Einleitung

Jahr für Jahr begleitet die Kirche betend die 10 Tage nach der Himmelfahrt von Jesus. In dieser Zeit warteten die Jünger auf das versprochene Geschenk des Heiligen Geistes an Pfingsten. Nun lernen wir, mit ihnen zu warten, sehnen uns nach dem erneuernden Wirken des Geistes und entdecken ein Muster in der Heiligen Schrift: Gott steigt auf, um zu herrschen, und erfüllt Menschen mit dem Heiligen Geist, damit sie mit ihm regieren können.

Wir haben gesehen, wie der thronende Gott die Menschheit mit seinem Geist erfüllt und wie rivalisierende Mächte ein Scheinreich errichten, das die Menschen dem Tod unterwirft. Wir sind Jesus gefolgt, als er als König aufstieg und die Berufung der Menschheit wiederherstellte. Wir haben uns Maria und den Jüngern im Obersaal angeschlossen und die Haltung des betenden Wartens gelernt. Wir haben mit angesehen, wie die Zwölf wieder vollzählig wurden.

Nun gehen wir in der Geschichte zurück und richten den Blick auf den zentralen Befehl von Jesus für diese Zeit: Wartet. Sein Befehl gründet auf der Zusage, dass der Vater den Geist geben wird.

Warten auf das Versprechen des Vaters

Die Apostelgeschichte berichtet, dass Jesus ihnen befahl, „Jerusalem nicht zu verlassen, sondern auf das Versprechen des Vaters zu warten“ (Apostelgeschichte 1,4). Der thronende König sendet seine Jünger nicht aus, bevor er sie erfüllt hat. Wie Maria durch ihre Schwangerschaft als Jungfrau gut wusste: Das Reich kommt durch Gottes Geschenk, nicht durch menschliche Macht.

Warten ist die angemessene Haltung eines Geschöpfs vor seinem Schöpfer. Warten heißt bekennen: Gott ist König, und wir sind seine Diener. Wenn wir auf Gott warten, treten wir in die Ruhe des siebten Tages ein, unter der Königsherrschaft des zum Himmel aufgefahrenen Jesus. Das Warten empfängt das Reich als Geschenk von oben und verweigert sich dem rebellischen Griff nach der Macht wie in Babel.

In der Apostelgeschichte nennt Jesus beim Namen, worauf seine Jünger warten: den Heiligen Geist (Apostelgeschichte 1,5). Das Versprechen des Vaters ist Gott selbst – Gottes eigene Gegenwart, die sein Volk erfüllt, damit es mit ihm regiert im Reich des zum Himmel aufgefahrenen Jesus.

Die vorbereitende Taufe von Johannes

Jesus verbindet dieses Versprechen mit Johannes dem Täufer. Der ganze Dienst von Johannes war ein Ruf zum bußfertigen Warten. Johannes trat in der Wüste auf und bereitete Israel auf den lang erwarteten König Gottes vor. Er rief die Menschen zur Buße auf und dazu, sich für die Herrschaft Gottes bereitzumachen (Markus 1,1-8). Als Zeichen der Vorbereitung und der Buße ließen sich viele taufen. Die Menschen stiegen ins Wasser, ließen rivalisierende Reiche hinter sich und stiegen gereinigt und bereit wieder heraus, um den König des Himmels zu empfangen.

Als Jesus aus dem Wasser der Taufe stieg, kam der Heilige Geist auf ihn herab, und der Vater bestätigte, dass er der auserwählte Sohn Gottes ist (Markus 1,9-11).

Deshalb sagt Jesus seinen Jüngern, dass Johannes mit Wasser getauft hat, sie aber mit dem Heiligen Geist getauft werden (Apostelgeschichte 1,5). Genau wie der Geist bei seiner Taufe auf Jesus herabkam, so wird der Geist nun auf die Jünger herabkommen.

Schließ dich dem Warten an

Nachdem Jesus mit dem Geist erfüllt worden war, verkündete er überall, wohin er kam, das Reich Gottes (Markus 1,14-15). Durch seine Predigt und seine Wunder zeigte er, dass er der König ist – Gottes eigene Gegenwart, die auf die Erde gekommen ist. Und die Jünger von Jesus werden an derselben Macht des Reiches Anteil haben. Das Reich ist gekommen, weil der König aufgestiegen ist, und sie werden sein Werk durch den Geist fortsetzen.

Im Warten lernt die Kirche Abhängigkeit. Im Warten wendet Gott unsere Herzen weg von rivalisierenden Thronen und hin zu sich selbst. Im Warten bereitet sich das Volk Gottes darauf vor, den Geist zu empfangen.

Angeleitetes Gebet

Wir bitten um das versprochene Geschenk des Vaters, so wie Jesus, der geisterfüllte, zum Himmel aufgefahrene König, es seine Jünger gelehrt hat:

Unser Vater im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf der Erde.

Gib uns heute unser tägliches Brot.

Vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Verherrlichung in Ewigkeit.

Amen.

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