Was passiert hier?
David steht davor, Israels Thron zu besteigen – doch nicht durch politische Raffinesse. Es wird geschehen, indem er auf den Herrn wartet.
Israel ist geteilt: Im Süden stehen die Anhänger Davids, im Norden die Anhänger Sauls (2. Samuel 2,10). Sauls Heerführer Abner hat geschickt Sauls Sohn im Norden zum König gemacht, noch bevor David Frieden vermitteln konnte (2. Samuel 2,8-9). So wie Sauls Königtum von politischer Raffinesse, Gewalt und Spionage geprägt war, so ist es auch dieses neue Nordreich der Saul-Dynastie.
Doch das ist der falsche Weg, um König zu werden. Saul hat diese Lektion mit seinem Leben bezahlt – und so wird es auch Sauls Sohn und dessen Heerführer ergehen. Sie ziehen gegen David in den Krieg, und es kommt sie teuer zu stehen. Davids Heerführer Joab verliert seinen Bruder (2. Samuel 2,23), aber Davids Truppen siegen überlegen: Sie verlieren nur 20 Mann gegenüber 360 der Gegner (2. Samuel 2,30-31). Der wichtigste Vers in diesen Kapiteln sagt, dass dieser lange Krieg dazu diente, David immer stärker und die Saul-Dynastie immer schwächer zu machen (2. Samuel 3,1).
Dazu kommt noch politisches Drama innerhalb von Sauls Haus. So wie Saul auf Davids militärische Brillanz eifersüchtig war, fühlt sich Sauls Sohn von seinem Heerführer bedroht. Um ihn zu diskreditieren, beschuldigt er Abner, mit einer der Frauen seines Vaters geschlafen zu haben (2. Samuel 3,7). Sauls Heerführer ist tief beleidigt (2. Samuel 3,8). Er wechselt auf Davids Seite – wohl wissend, dass dies das Ende für Sauls Söhne bedeutet (2. Samuel 3,9-10).
Doch Sauls Heerführer wird sofort von Joab ermordet – als Rache dafür, dass er dessen Bruder getötet hat (2. Samuel 3,27). Der Autor stellt sicher, dass wir wissen: David hat mit diesem Mord nichts zu tun (2. Samuel 3,37). Und als Sauls Sohn schließlich getötet wird, verstehen wir, dass David auch an diesem Tod unschuldig ist. Tatsächlich lässt David diejenigen hinrichten, die den letzten Nachkommen aus Sauls Linie ermordet haben (2. Samuel 4,12). Die meisten Könige würden den Tod eines feindlichen Thronerben als politischen Glücksfall und als Gelegenheit sehen, die eigene Macht zu festigen. Aber nicht David. Er weiß, dass politische Gewalt nicht Gottes Weg ist, König zu werden – und darum wartet er.
Davids Gegner haben Krieg, Spionage und Politik gewählt, um ihr Königreich zu retten, aber es hat sie das Leben gekostet. Der Einzige, der übrig bleibt, um die Krone zu tragen, ist der Mann, der darauf gewartet hat, dass Gott rettet (Psalm 27,14).
Wo ist das Evangelium?
David ist nicht wie Saul – und auch nicht wie irgendein anderer König. David ist nicht herrschsüchtig oder selbstgefällig. Er nimmt die Dinge nicht ungeduldig selbst in die Hand. Tatsächlich schweigt David weitgehend, außer wenn er beim Begräbnis seines gefallenen Weggefährten singt (2. Samuel 3,33) und Gerechtigkeit für die unrechtmäßigen Tötungen seiner Feinde fordert (2. Samuel 4,12).
David erbt sein Königreich auf die Weise, wie Jesus uns sagt, dass wir Gottes Königreich erben werden. Es sind die geistlich Armen, die Trauernden und die Sanftmütigen, die die Erde erben werden (Matthäus 5,3-5). Wer mehr nach Barmherzigkeit hungert als nach Rache, wird satt werden (Matthäus 5,6-7). Die Friedensstifter und die Verfolgten sind es, die auf Thronen sitzen werden (Matthäus 5,9-10).
Es ist leicht, sich in den politischen Intrigen und all den Namen in diesem Teil von Samuel zu verlieren. Doch Davids Aufstieg zur Macht ist ein Bild dafür, wie Gott sein Königreich in einer komplexen und von Konkurrenz geprägten Welt wie der unseren aufrichtet.
Wir sind umgeben von Herrschern und Denkern, die durch Gewalt, Einfluss und Persönlichkeit führen. Wir haben das Gefühl, mit all dem Machtgeschacher, den Hinterzimmerabsprachen und Eigeninteressen um uns herum nicht mithalten zu können. Doch die Frohe Botschaft ist: All das zerstört sich selbst. Menschen wie Saul werden immer fallen. Aber wenn du arm bist, um den Tod eines geliebten Menschen trauerst oder von deinen Umständen erniedrigt wirst, dann hat Jesus eine Frohe Botschaft für dich. So wie David seinen Thron bestieg und Jesus von den Toten auferstand, werden die Demütigen eines Tages die Welt regieren. Was wir tun müssen, ist warten.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der Königreiche aufrichtet. Und mögest du Jesus als den sehen, der sein Königreich denen gibt, die bereit sind, auf ihn zu warten.

