Was passiert hier?
Im Hintergrund einer der berüchtigtsten Geschichten der Bibel schwelt ein Kampf mit den Ammonitern: Davids Missbrauch an Bathseba und der Mord an ihrem Mann. Dass Davids schändlichster Moment mitten zwischen Geschichten von Tapferkeit steht, verstärkt die Ehrlosigkeit und Feigheit seines Handelns.
Ein Jahr nach Beginn des Konflikts mit den Ammonitern schickt David seinen Heerführer Joab, damit dieser die Sache ohne ihn zu Ende bringt. Anstatt mit seinen Männern auszuziehen und sein Königreich aktiv zu beschützen, bleibt David passiv zurück und missbraucht seine Stellung (2. Samuel 11,1). In seiner Muße begehrt er die Frau des ausgezeichneten Soldaten Uria, holt sie in seinen Palast, schläft mit ihr und macht sie schwanger (2. Samuel 11,4-5). Um den Skandal zu vertuschen, ruft er Uria vorzeitig vom Schlachtfeld nach Hause und versucht ihn zu manipulieren, damit er mit seiner Frau schläft (2. Samuel 11,8). Die Schwangerschaft ist noch früh genug, dass Uria nie erfahren wird, dass das Kind nicht von ihm ist.
Aber Uria weigert sich. Es wäre falsch, sein eigenes Haus und seine Frau zu genießen, während seine Männer im Krieg sind (2. Samuel 11,11). Selbst als David Uria betrunken macht, ist der betrunkene Uria ehrenhafter als der nüchterne David (2. Samuel 11,13). Also beschließt David, Uria zu töten (2. Samuel 11,15). Mit Joabs Hilfe gefährden sie den Feldzug gegen die Ammoniter, nur um einen der eigenen Männer umzubringen. Kaltherzig hält David das Leben seiner Männer für den nötigen Preis, um seinen Ruf zu schützen (2. Samuel 11,25). Nach Urias Tod nimmt David Bathseba in seinen Harem auf und verbirgt den Skandal (2. Samuel 11,27). Aber nicht vor Gott.
Gott sendet seinen Propheten Nathan, um David zur Rede zu stellen (2. Samuel 12,1). Doch zuerst lässt Nathan David sich selbst verurteilen (2. Samuel 12,5). Nathan erzählt eine Geschichte, die David dazu bringt, die Todesstrafe zu fordern (2. Samuel 12,3.6). Doch als Nathan ihm zeigt, dass David selbst der Mann ist, über den er das Urteil spricht, tut David Buße und Gott vergibt ihm (2. Samuel 12,7.13). Aber der Rest von Davids Herrschaft wird durch diese Ereignisse vergiftet sein. Der Sohn von David und Bathseba wird sterben, und Davids Führung wird weiterhin von Passivität und Missbrauch geprägt sein (2. Samuel 12,14).
Deshalb endet die Geschichte damit, dass David erneut Joab gegen die Ammoniter in den Kampf schickt – ohne ihn (2. Samuel 12,26-27). Wie schon vorher bleibt David zu Hause und wird aus seiner Passivität nur aufgerüttelt, um sich etwas zu nehmen, was ihm nicht gehört. David lässt sich Joabs Sieg zuschreiben und krönt sich selbst mit dem Gold eines anderen Königs (2. Samuel 12,28.30).
Wo ist das Evangelium?
Letztlich gehört die Macht dem Herrn, und David ist am mächtigsten, wenn er sich Gott unterordnet. Aber jetzt hat David Gottes Autorität missachtet. Im Buch 5. Mose gebietet Gott den Königen Israels, nicht mehrere Frauen zu nehmen und nicht viel Gold zu sammeln (5. Mose 17,17) – ganz zu schweigen davon, gegen ihre Bürger zu intrigieren und sie zu ermorden (5. Mose 5,17). David hat vergessen, wer das Sagen hat. Er hat seinen eigenen Ruf über die Dekrete Gottes gestellt und nutzt seine Bürger aus, um seine Begierden zu stillen. David hat die Macht missbraucht, die Gott ihm gegeben hat, und wird dafür gedemütigt.
Das Buch Samuel warnt uns: Menschen, die die Macht missbrauchen, die Gott ihnen gibt, werden als die schwachen, übergriffigen Menschen entlarvt, die sie sind. Wenn du glaubst, es sei in Ordnung, Gottes Gebote abzulehnen – besonders wenn du eine Position mit Autorität innehast –, wirst du von dem Gott gedemütigt werden, der Missbrauch nicht duldet. Es wird eine Abrechnung geben für jeden, der diejenigen schlecht behandelt, die er beschützen soll.
David tut zwar Buße und ist in vielerlei Hinsicht der beste König Israels, doch Jesus ist ein besserer König als David. Jesus hat nie vergessen, wer das Sagen hat (Johannes 5,19). Er wusste, dass seine Autorität eine übertragene war (Matthäus 28,18). Er benutzte seine Macht nicht, um zu missbrauchen oder zu töten, sondern um zu heilen und Tote aufzuwecken (Lukas 8,53-54). Er stellte seinen eigenen Ruf nicht über die Dekrete Gottes, sondern wurde am Kreuz erniedrigt (Philipper 2,8). Jesus setzte seine Macht für unsere Vergebung ein, nicht zu seinem eigenen Selbstschutz. Und Jesus verspricht, dass er seine königliche Autorität nutzen wird, um uns für immer zu dienen (Lukas 12,37).
Wie David kannst du dich entscheiden, die Macht Jesu zu missachten – zu deiner eigenen Erniedrigung. Oder du kannst dich wie Jesus vor dem König des Universums demütigen und erhöht werden.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der sich den Stolzen widersetzt. Und mögest du Jesus als den sehen, der den Demütigen Gnade schenkt.

