Was geschieht hier?
Die Philister und die Israeliten befinden sich im Krieg.
In einer verheerenden Niederlage erobern die Philister Israels Symbol für Gottes Gegenwart – die Bundeslade. Zunächst haben die Philister Angst, gegen den Gott zu kämpfen, von dem sie wissen, dass er die Ägypter besiegt hat. Doch die erbeutete Bundeslade ist eine Trophäe, die scheinbar die Überlegenheit ihres Gottes beweist (1. Samuel 4,8). Also stellen sie die Bundeslade in den Tempel ihrer Gottheit Dagon (1. Samuel 5,2). Doch schon bald werden sie lernen: Gott ist niemandes Trophäe.
Am nächsten Morgen finden sie ihr Götterbild umgestürzt vor, als würde es sich vor der Bundeslade niederwerfen (1. Samuel 5,3). Sie stellen die Statue wieder auf, doch am folgenden Morgen finden sie Dagon ohne Kopf und ohne Hände (1. Samuel 5,4). Ironischerweise heißt es im nächsten Vers und noch sieben weitere Male in dieser Geschichte, dass die Hand des Herrn schwer auf den Philistern lastet (1. Samuel 5,6).
Der Gott, der den Pharao besiegte, indem er gegen Ägypten „seine Hand ausstreckte“, ist nun zu ihnen gekommen – und auch zu ihrem Gott (2. Mose 7,5). Im Laufe der nächsten sieben Monate werden die Philister von Beulen und einer Rattenplage heimgesucht. Es ist genau wie in Ägypten. In Panik und in der Hoffnung, die Plagen zu beenden, schieben die Philister die Bundeslade zwischen fünf ihrer Städte hin und her (1. Samuel 5,6).
In ihrer Verzweiflung drängen die Priester Dagons die Philister, den Gott Israels zu ehren. Sie schicken die Bundeslade zurück nach Israel, zusammen mit goldenen Nachbildungen der Ratten und Beulen, die sie geplagt haben (1. Samuel 6,5). Die Philister haben gelernt, was der Pharao nie begriffen hat – dass Gott niemandes Trophäe ist (1. Samuel 6,6).
Als die Bundeslade zurückkehrt, muss Israel dieselbe Lektion lernen. Zuerst ist Israel überglücklich und bringt Schlachtopfer zum Lob dar (1. Samuel 6,15), nur um – 70 Menschenleben zu spät – zu erkennen, dass es die Bundeslade und Gottes Gegenwart missachtet hat (1. Samuel 6,19). Schnell tut Israel Buße und bittet Samuel, für einen Sieg über die Philister zu beten (1. Samuel 7,8). Samuel opfert ein Lamm für die Sünde Israels, und noch bevor das Schlachtopfer vollständig verbrannt ist, schenkt Gott Israel den Sieg (1. Samuel 7,10).
Wo ist das Evangelium?
Die Philister hielten Gottes Bundeslade für eine Trophäe, die man für die eigene Sache instrumentalisieren kann. Israel meinte, mit Gottes Bundeslade umgehen zu können, wie es ihm gerade passte. Doch beide Völker lernten: Der Preis für Respektlosigkeit und die Entehrung Gottes ist der Tod.
Wie die Philister nehmen wir an, Gott stehe in Kulturkämpfen auf unserer Seite, und so benutzen wir den Namen Gottes, um unsere Position zu rechtfertigen. Oder wie die Israeliten setzen wir voraus, dass Gottes Gegenwart uns erlaubt, zu handeln, wie es uns gefällt – ganz gleich, was sein Wort gebietet.
Gott für unsere eigenen Zwecke zu vereinnahmen, führt zum Tod. Wahrer Sieg über unsere Feinde kommt allein daraus, dass wir Buße tun und einen Anführer einsetzen, der für uns Fürsprache einlegt (1. Samuel 7,6). Dieser Anführer ist nicht Samuel, sondern Jesus.
Der Verfasser des Hebräerbriefs sagt, dass Jesus die vollkommen rettet, die zu ihm kommen, weil seine Gebete für sein Volk niemals aufhören (Hebräer 7,25). Jesus tritt immer für die ein, die ihn als Herrscher über ihr Leben einsetzen. Israel starb, weil es Gottes Gegenwart auf unangemessene Weise nahte – doch als Jesus stirbt, wie Samuels Lamm, kommt Gottes Gegenwart zu uns. Wir werden zu neuen Bundesladen. Gott macht uns zu lebendigen Symbolen von Gottes Gegenwart. Ausdrücklich wird uns gesagt, dass Jesus darum betet, in uns zu sein, so wie der Vater in ihm war (Johannes 17,21b).
Wir müssen uns nicht länger vor den Feinden in unserer Welt und Kultur fürchten. Jesus hat sie überwunden (Johannes 16,33)! Er hat jedem falschen Gott den Kopf abgeschlagen und die Hände abgetrennt, und nun lebt er in uns. Und anstatt dass wir Gottes Gegenwart als selbstverständlich hinnehmen, gibt er uns die Kraft, voller Zuversicht zu seinem Thron zu kommen, ohne den Tod fürchten zu müssen. Wir dürfen um alles bitten, was wir brauchen.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der sich nicht manipulieren lässt. Und mögest du Jesus als den erkennen, der für dich Fürsprache einlegt und in dir lebt, um dir den Sieg über deine Feinde zu schenken.

