Was passiert hier?
Saul ist König, aber nur dem Namen nach. Gottes Geist hat ihn verlassen und erfüllt stattdessen David (1. Samuel 18,12).
Und jeder in Israel und in Sauls Familie sieht das ganz deutlich. Jonatan, Sauls Sohn und Kronprinz, liebt David (1. Samuel 18,3). Er gibt ihm sogar seine königlichen Kleider und Waffen als Zeichen dafür, dass er Davids Dynastie mehr die Treue hält als der seines Vaters (1. Samuel 18,5). Michal, Sauls Tochter, will David heiraten (1. Samuel 18,28). Die Frauen Israels dichten Lieder darüber, dass David zehnmal größer ist als Saul (1. Samuel 18,7). Und die Soldaten Israels folgen ihm gern in den Kampf gegen die Philister (1. Samuel 18,16.30). Während Sauls Volk und Familie David feiern, ist Saul eifersüchtig und voller Angst (1. Samuel 18,12).
Von einem bösen Geist gequält, versucht Saul dreimal, David mit einem Speer aufzuspießen (1. Samuel 18,11; 1. Samuel 19,10), und schmiedet dann heimlich einen Plan, ihn zu töten (1. Samuel 19,1). Doch Michal hört von dem Anschlag und belügt ihren Vater, um David, der inzwischen ihr Mann ist, zu schützen (1. Samuel 19,12-13). Sauls ganze Familie hält nun dem von Gott Gesalbten mehr die Treue als dem Königreich des eigenen Vaters.
David flieht nach Rama, wo der Prophet Samuel wohnt (1. Samuel 15,34). Als Saul und seine Mörder ihn jagen wollen, treffen sie zuerst auf Samuel und werden sofort von Gottes Geist überwältigt. Sie reißen sich die Kleider vom Leib, können sich nicht mehr bewegen und hören nicht auf, prophetisch zu reden, bis David erneut entkommen ist (1. Samuel 19,24). Früher war Prophetie ein Zeichen von Gottes Salbung. Sie war eines der Wunder, die Sauls Königtum bestätigten (1. Samuel 10,6). Doch jetzt ist sie ein Zeichen von Gottes Gericht über Saul und der Erwählung Davids als seines Nachfolgers.
David kehrt daraufhin zu Jonatan zurück und hofft zu verstehen, warum Saul ihn jagt (1. Samuel 20,1). Jonatan ist überzeugt, dass zwischen David und seinem Vater ein Missverständnis vorliegt (1. Samuel 20,2). Doch als Jonatan die Wahrheit erfährt, belügt er wie Michal seinen Vater (1. Samuel 20,28) und schafft David einen Weg zur Flucht (1. Samuel 20,22).
Obwohl David der von Gott Gesalbte ist – und alle in Sauls Familie und Königreich Gottes Kraft in ihm erkennen –, weigert sich Saul, sich zu demütigen, und ist entschlossen, David zu jagen.
Wo ist das Evangelium?
Der Verfasser von Samuel möchte, dass wir selbst sehen, was Jonatan, Michal, David und Israel so deutlich gesehen haben: Gott ist mit David und hat Saul verlassen (1. Samuel 18,12). Sauls geistliche und seelische Qual ist der Beweis, dass Gott gegen ihn ist. Davids Siege über die Philister, sein Entkommen aus Sauls Mordanschlägen und seine Akzeptanz durch Israel beweisen, dass Gott mit ihm ist. Er ist der erwählte König Israels.
Sauls Verschwörungen gegen David spiegeln die Verschwörungen des politischen und religiösen Establishments gegen Jesus. Herodes versucht, Jesus kurz nach seiner Geburt zu töten, wird aber von denen überlistet, denen er zu vertrauen glaubte (Matthäus 2,16). Als Jesu Wirken wächst, wird er von ganz Israel gefeiert und bei seinem Einzug in Jerusalem sogar wie ein König begrüßt (Matthäus 21,9). Eifersüchtig wie Saul planen die Pharisäer einen Mord (Matthäus 27,18). Sie holen Judas in ihren Mordplan hinein, und er wird von einem bösen Geist gequält (Lukas 22,3). Selbst Pilatus' Frau wird von schlimmen Träumen verfolgt, bevor ihr Mann Jesus den Pharisäern übergibt (Matthäus 27,19). Alle in Israel scheinen Jesus als Gottes erwählten König zu erkennen – außer denen, die von ihrem Stolz und ihrem Machthunger zu sehr geblendet sind.
Doch während David Sauls Verschwörungen entkommt, entkommt Jesus ihnen nicht. Die Pharisäer und die Politiker bringen Jesus um (Matthäus 27,50). Aber der Tod war nur die Vorbereitung für Gottes größten Sieg. Jesu Auferstehung ist Gottes stärkster Beweis, dass Jesus sein erwählter König ist (Markus 16,6).
Und so treten wir jetzt, wie Michal und Jonatan, den Verschwörungen der Finsternis mit Gegenplänen für ein Leben aus der Auferstehung entgegen. Das Evangelium ist Frohe Botschaft für die Demütigen und Verhängnis für die Stolzen. Wie stark die korrupten Mächte auch sein mögen – einem auferstandenen König sind sie nicht gewachsen. Verpflichte dich also wie Michal und Jonatan zur Treue gegenüber Gottes erwähltem König und seinem Reich. Du kannst sicher sein: Die Stolzen werden fallen.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der bei seinen Gesalbten ist. Und mögest du Jesus als Gottes erwählten König sehen, der die Pläne unserer Feinde zuschanden macht und uns mit sich auf Thronen erhöht.

