Was passiert hier?
Saul ist tot, und der Thron Israels ist leer (1. Samuel 31,6). Doch David weiß davon nichts. Er war damit beschäftigt, gegen die Amalekiter zu kämpfen (1. Samuel 30,1). Er weiß nicht, dass Jonatan getötet wurde und Saul sich selbst das Leben nahm (1. Samuel 31,4). Erst drei Tage später erfährt David es, als ein amalekitischer Bote ihm die Nachricht überbringt (2. Samuel 1,4).
David fragt den Boten nach Einzelheiten, doch der Amalekiter lügt. Er erfindet die Geschichte, er selbst habe Saul aus Erbarmen getötet (2. Samuel 1,9-10) – vermutlich, um Davids Gunst zu gewinnen (2. Samuel 4,10). Zwar sind die Amalekiter Feinde, aber dieser Amalekiter hat Davids anderen Feind getötet: Saul. Er hofft, dass ihm diese Lüge einen Platz in Davids Reich einbringt, als er David die Krone Sauls überreicht (2. Samuel 1,10). Doch David feiert nicht, wie dieser Amalekiter es erwartet. Stattdessen weint er (2. Samuel 1,11-12).
Saul, der von Gott gesalbte König, und Jonatan, Davids Freund, sind tot. Davids Liebe zu Jonatan und seine Treue zu Israel als dem von Gott erwählten Volk stellen jeden politischen Ehrgeiz in den Schatten. Er kann seinen Aufstieg zur Macht nicht feiern, wenn es Gottes Königreich schadet. David lässt den Mann hinrichten, der meinte, vom Tod des Gesalbten Gottes profitieren zu können (2. Samuel 1,15).
Dann verfasst David ein öffentliches, dichterisches Klagelied auf Saul und Jonatan (2. Samuel 1,17). Dreimal ruft der Kehrvers: „Ach, wie sind die Helden gefallen!“ (2. Samuel 1,25). Das Lied beweist Davids aufrichtige Trauer über Israels Verlust und seine unerschütterliche Treue zu Gott und zum Wohl seines Königreichs.
Erst nach einer landesweiten Zeit der Trauer fragt David Gott, ob es Zeit ist, sein Hauptquartier im Land der Philister zu verlassen und nach Juda zurückzukehren, um den Thron zu besteigen (2. Samuel 2,1). Gott weist ihn in die südliche Stadt Hebron, wo er offiziell zum neuen König von Israel gesalbt wird (2. Samuel 2,4).
Seine erste Amtshandlung als König ist es, sich der nördlichen Stadt Jabesch in Gilead zuzuwenden. Diese Stadt war Saul von Anfang an treu. Dort sammelte Saul zum ersten Mal Israels Heer (1. Samuel 11,6). David versucht, das zerrissene Israel unter seiner Führung zusammenzubringen. Er würdigt ihre Treue zu Saul und lädt sie ein, ein neues Bündnis – einen neuen Bund – mit ihm zu schließen (2. Samuel 2,6).
Wo ist das Evangelium?
Als Saul zur Macht kam, sahen wir seine Feigheit und seine Auflehnung. Saul versteckte sich vor seiner eigenen Krönung (1. Samuel 10,22), und er weigerte sich, auf Gott zu hören (1. Samuel 13,13). Darum wird uns bei Davids Aufstieg zur Macht seine Treue zu Gott und zu dessen Königreich vor Augen gestellt. Lieber weint er über den Gesalbten Gottes, als den Tod seines Feindes zu feiern. Lieber versöhnt er sich mit denen, die Saul am treuesten waren, als sie aus Israel auszuschließen. David ist der richtige König für Israel!
Und Jesus ist der richtige König für uns. Wie David hält er in Demut Gottes Königreich für wichtiger, als seinen Feinden heimzuzahlen, was sie verdient haben (Philipper 2,8). Sogar während er gefoltert wird, vergibt er seinen Peinigern (Lukas 23,34). Lieber stirbt Jesus als der Gesalbte Gottes, als den Tod seiner Feinde zu feiern.
Jesus kommt nicht zur Macht, um endlich einen Rachefeldzug gegen uns zu Ende zu bringen, sondern um alle, die den Mächten der Finsternis treu ergeben sind, in ein neues Bündnis zu rufen – in einen neuen Bund, erkauft durch sein Blut (Lukas 22,20). Jesus vereint nicht nur den Norden und den Süden Israels, sondern den Nord- und den Südpol. Es gibt keine Juden und Nichtjuden mehr, keine Araber oder Amerikaner, keine Koreaner oder Japaner. Alle, die sich seinem Königreich anschließen, sind in Jesus vereint (Kolosser 3,11).
Jesus ist der einende und demütige König, den wir brauchen. Und wenn du ihm die Treue schwörst, wird er dich treu in sein Königreich führen.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der seinem Volk einen König bestimmt hat. Und mögest du Jesus als den König erkennen, den wir brauchen, um unsere Welt zu vereinen und uns in sein Königreich zu führen.

