Was passiert hier?
Samuels Prophetie steht kurz davor, sich zu erfüllen. Sauls Königreich wird ihm aus den Händen gerissen und David gegeben werden (1. Samuel 15,28). Doch David lebt nicht mehr in Israel.
Sauls Verfolgung hat ihn gezwungen, Zuflucht bei den Philistern zu suchen – bei den Feinden, die Saul seit seinem Amtsantritt als König plagen (1. Samuel 13,5). Zuerst hielt der Philisterfürst Achisch David für eine Bedrohung (1. Samuel 21,12). Aber Davids lange Fehde mit Saul macht Achisch zuversichtlich, dass er David für seine eigenen Zwecke einsetzen kann (1. Samuel 27,12).
David kämpft Achischs Kämpfe gern, aber nur, weil es auch Israels Kämpfe sind. Achisch will, dass er gegen dieselben unbesiegten Völker aus dem Buch Josua kämpft und gegen dieselben Amalekiter, die Saul nicht vernichtet hat (1. Samuel 15,18-19). David handelt klug wie Israels König – selbst im Exil und unter feindlicher Herrschaft.
Während David weiterhin wie ein König handelt, verkommt Saul zu einem noch erbärmlicheren Herrscher. Gott weigert sich, zu ihm zu sprechen (1. Samuel 28,6). In seiner Verzweiflung sucht er Hilfe bei einer verbotenen Totenbeschwörerin und bittet sie, den verstorbenen Propheten Samuel herbeizurufen. Und zur Überraschung der Frau erscheint Samuel bei der Séance tatsächlich (1. Samuel 28,12). Gott gebraucht die falsche Magie der Totenbeschwörerin und Sauls verbotene Totenbefragung, um sein Schicksal als der von Gott verlassene König zu bestätigen. Es besiegelt den unaufhaltsamen Aufstieg Davids (1. Samuel 28,17).
Die letzten zwei Kapitel des ersten Samuelbuches berichten dann von zwei Schlachten. David besiegt die Amalekiter, wie Saul es hätte tun sollen, und Saul nimmt sich in einer Schlacht gegen die Philister das Leben (1. Samuel 31,4). Der Konflikt zwischen Saul und David ist endgültig vorbei.
Wo ist das Evangelium?
Das Buch Samuel beginnt mit dem Hinweis, dass in Sauls Tagen „das Wort des Herrn selten“ war (1. Samuel 3,1). Und es war Sauls anhaltende Weigerung, auf Gottes seltene Worte zu hören, die ihm Gottes Schweigen und Verwerfung einbrachte (1. Samuel 15,10). Es ist bezeichnend, dass Sauls Auflehnung gegen Gottes Wort an der Türschwelle einer Totenbeschwörerin endet. Der Prophet Samuel hatte Saul gesagt, dass seine Ablehnung von Gottes Wort ihn in die dunkle Kunst der Wahrsagerei führen würde (1. Samuel 15,23). Dass Saul sich weigerte, auf Gott zu hören, bedeutete nicht, dass er keine göttliche Führung wollte. Samuel wusste: Wer Gottes Stimme verwirft, wird sich anderswo nach einer göttlichen Stimme umsehen.
Wir sind Saul gar nicht so unähnlich. Die Stimme des Herrn scheint auch in unseren Tagen selten zu sein. Aber die meisten von uns glauben, dass das Göttliche mit uns sprechen kann, und wir sehnen uns danach. Doch weil wir Gottes Worten nicht vertrauen, suchen wir göttliche Führung vielleicht im Okkulten. Oder unsere Wegweisung ist irgendeine Stimme oder Sehnsucht in uns, die wir meinen, ausdrücken und ausleben zu müssen. „Folge deinem Herzen“ unterscheidet sich nicht so sehr davon, die Toten heraufzurufen. Beides ist die Entscheidung, außerhalb von Gottes Worten auf eine höhere, maßgebliche Führung zu hören.
Als Saul diesen Weg einschlug, rief er sich selbst die Verdammung aus dem Grab herauf (1. Samuel 28,17). Aber die Frohe Botschaft ist: Während wir verzweifelt überall nach Antworten suchen, nur nicht bei Gott, ist sein Wort in Jesus zu uns gekommen (Johannes 1,14a). So wie David treu auf den Herrn hörte und die Schlachten gewann, die Saul verlor (1. Samuel 30,8.17), so hörte Jesus treu auf Gott (Johannes 5,30). Und am Kreuz kämpfte Gottes Wort gegen Gottes Schweigen – und gewann (Markus 15,34). Das leere Grab spricht Worte eines höheren, maßgeblichen Sieges zu allen, die auf Gottes Wort und seine Frohe Botschaft hören. Göttliches Leben und göttliche Führung findet man nicht in Teeblättern oder in der Wahrsagerei, sondern indem man Gottes Worte hört und sie befolgt (Lukas 11,28). In Sauls Tagen kam der verstorbene Prophet Samuel zurück, um Unheil anzukündigen. Aber heute spricht Gott durch unseren einst gestorbenen, nun aber lebendigen Propheten Jesus – und er verkündet EWIGES LEBEN (Hebräer 1,2).
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der nicht schweigt. Und mögest du Jesus als unseren lebendigen Propheten sehen, dessen leeres Grab allen Leben zuspricht, die hören.

