Was geschieht hier?
David hat es versäumt, Tamar zu schützen – seine Tochter und Absaloms Schwester. Und vier Jahre lang hat Absalom Rache geplant und sich verschworen, seinen Vater zu stürzen. Sogar Davids königlichen Berater Ahitofel zieht er auf seine Seite (2. Samuel 15,6b-7.12).
Über Nacht sammelt Absalom seine Anhänger und marschiert auf den Thron zu. David muss Jerusalem verlassen und trifft mehrere strategische Entscheidungen (2. Samuel 15,14). David weigert sich, die Bundeslade zu seinem eigenen Vorteil aus Jerusalem mitzunehmen (2. Samuel 15,25). Er setzt einige Priester als Spione ein und bestimmt einen Treffpunkt, um Informationen weiterzugeben (2. Samuel 15,27-28). Außerdem schickt er Huschai als Doppelagenten, um dem verräterischen und bösartig klugen Ahitofel entgegenzuwirken (2. Samuel 15,34; 16,23).
Während David auf der Flucht ist, rät Ahitofel Absalom, auf dem Dach des Palastes mit den Konkubinen seines Vaters zu schlafen (2. Samuel 16,21-22). Es ist ein Symbol der Herrschaft über seinen Vater. Doch es ist auch Davids Sünde mit Bathseba, die sich hier vollendet, und Nathans Prophetie, die in Erfüllung geht (2. Samuel 12,11).
Sofort rät Ahitofel Absalom, schnell und hart zuzuschlagen, bevor David die Gelegenheit hat, seine Truppen neu zu ordnen (2. Samuel 17,1-2). Doch Davids Doppelagent schafft es, Absalom davon zu überzeugen, dass es klüger sei zu warten (2. Samuel 17,14). Huschai schickt unverzüglich die Spione los, um diese Nachricht weiterzugeben, und verschafft David so die Zeit, die er braucht, um sich neu aufzustellen und eine Strategie zu entwickeln (2. Samuel 17,16; 18,1).
Der Sieg kommt sofort. Absalom zieht sich zurück und bleibt versehentlich in einem Baum hängen. Er wird von Joab getötet, der zuvor einem anderen Mann Silberstücke anbietet, damit dieser die Tat vollbringt (2. Samuel 18,14).
Trotz Absaloms Verrat trauert David über den Verlust seines Sohnes, bis seine Pflichten als oberster Heerführer ihn wieder zum Handeln zwingen (2. Samuel 19,3-4). David kehrt nach Jerusalem zurück und trifft mehrere strategische Entscheidungen für sein Königreich. Er erfährt auch, dass Absaloms Aufstand eine alte Fehde zwischen dem Nordreich Israel und dem Südreich Juda neu entfacht hat (2. Samuel 19,41). Wie bei Absalom formiert sich über Nacht ein neuer Aufstand, angeführt von einem Mann namens Scheba. Er will nicht Davids Thron, sondern das Königreich spalten, das David geeint hat (2. Samuel 20,6). Joab stellt Scheba in einer Stadt namens Abel. Und so wie Davids erster Konflikt mit Absalom durch eine kluge Frau beigelegt wurde, sind es die Worte einer anderen klugen Frau, die Absaloms Aufstand schließlich beenden (2. Samuel 14,2; 20,14-15).
Wo ist das Evangelium?
In seinem Evangelium beschreibt der Apostel Matthäus den Verrat des Judas an Jesus bewusst so, wie Absalom David verraten hat. Sowohl Absalom als auch Judas verraten ihren König mit einem Kuss, erhängen sich und werden in Gruben begraben (2. Samuel 14,33). Und Silberstücke spielen im Tod von Absalom wie auch von Judas eine entscheidende Rolle. Ein Beobachter weigerte sich, Absalom, den Sohn des Königs, anzurühren – selbst für 1.000 Silberstücke, die Joab ihm anbot (2. Samuel 18,12). Judas setzt den Preis für seine Treue zum größten Sohn Davids auf nur 30 fest (Matthäus 26,15).
Matthäus versteht Jesus als den wahrhaftigsten und letzten König David. Wie David ist Jesus Gottes gesalbter König, verraten von denen, die ihm am nächsten stehen.
Wir alle haben einen Preis für unsere Treue zum König des Universums festgesetzt – vielleicht nicht mit Silber wie Judas, aber vielleicht mit demselben lange gehegten Zorn, den Absalom gegen Gott in sich trug. Die meisten von uns glauben, dass wir es anders machen würden, wenn wir das Sagen hätten. Und so führen wir ein verbittertes Leben nach unserem eigenen Gerechtigkeitsempfinden. Wir verdienen den Titel eines Verräters.
Doch die Frohe Botschaft ist: Wie David will Jesus den Platz verräterischer Söhne einnehmen. Jesus hält Judas seinen Verrat nicht vor und tötet ihn nicht für seinen Hochverrat. Stattdessen lässt er Judas’ Aufstand gewinnen. Jesus stirbt wie ein Verräter an Rom, damit Verräter wie Judas leben können. Und wie die klugen Frauen am Grab es den Jüngern verkündeten: Jesus ist auferstanden! (Lukas 24,6.10). Unser Verrat ist für immer begraben. Und in seiner Gnade verspricht Jesus, demütig gewordene Rebellen auf genau die Throne zu erheben, die sie zu stehlen versuchen (Offenbarung 3,21). Es gibt nur einen König, der über Verräter weint, für die Untreuen stirbt und Rebellen Macht in seinem Reich gibt. Sein Name ist Jesus.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der Jesus zu unserem König gesalbt hat. Und mögest du König Jesus als den barmherzigen König sehen, der starb, damit Verräter leben können.

