Was geschieht hier?
Gott hat sein Volk und seine Priester dazu berufen, heilig zu sein, ausgesondert zu sein, mit ihm an einem heiligen Ort zu leben, an dem seine Gegenwart wohnt. Nun macht Gott die Zeit selbst heilig.
Israels Kalender ist gefüllt mit sieben festgesetzten Festen – ausgesonderten Momenten, die ausgesonderte Zeit schaffen. Diese Tage sind nicht einfach Feiertage; sie sind heilige Tage, Zeiten, in denen der Rhythmus von Schöpfung und Geschichte neu um Gottes rettendes Handeln geordnet wird. Jeder Tag und jede Woche sind um den Sabbat geordnet, um jeden siebten Tag. Jedes Fest markiert eine andere Weise, wie Gott Leben aus dem Tod, Ordnung aus dem Chaos und Kommunion aus dem Exil hervorgebracht hat.
Das Pessachfest und das Fest der ungesäuerten Brote erinnern an Israels Befreiung aus Ägypten – an die Nacht, in der es durch den Bund an Gott gebunden und aus der Sklaverei gerettet wurde. Das Blut des Lammes an ihren Türen kennzeichnete sie als Gottes Eigentum, aufgenommen in seinen Haushalt. Sie aßen mit ihm und wurden sein Volk.
Das Fest der Erstlingsfrüchte feiert die ersten grünen Triebe der Ernte – ein Versprechen, dass mehr Leben kommt. Gott die ersten Früchte der Ernte darzubringen ist ein Akt der Danksagung, der Gott als den Geber all dessen benennt, was sie haben. Es ist auch eine Übung des Vertrauens: der Glaube, dass der Gott, der den Anfang der Ernte geschenkt hat, auch den Rest zur Vollendung bringen wird.
Das Fest der Wochen, auch als Pfingsten bekannt, folgt fünfzig Tage später, wenn Israel für die Fülle der Ernte dankt. Die jüdische Tradition verband dieses Fest später mit der Übergabe des Gesetzes am Sinai – dem Moment, in dem Gottes gerade befreites Volk sein Wort empfing und zu seinen Bundespartnern wurde.
Die Festspiele der Trompeten markieren den Beginn des Sabbatmonats, des siebten Monats. Trompeten erklangen und läuteten den Frieden und die Ruhe ein, die das heilige Volk Gottes kennzeichnen sollten.
Es folgt der Tag der Versöhnung. An ihm bereiten die Priester alles vor, damit die Verherrlichung von Gottes heiliger Gegenwart den Tabernakel erfüllt. Gott beseitigt die Rückstände der Sünde, damit sein Volk und seine Wohnung wieder rein werden können, bereit, seine Gegenwart im Allerheiligsten des Tabernakels zu empfangen.
Schließlich versammelt das Laubhüttenfest alle unter Laubzelten, unter Tabernakeln, um sich an ihre Wanderung durch die Wüste zu erinnern, als Gottes Gegenwart wie in einem Tabernakel bei ihnen wohnte. Indem Israel in diesen vorläufigen Zelten wohnte, die man auch Laubhütten nennt, führte es sich Gottes Gläubigkeit vor Augen, mit der er es durch die Wüste getragen hatte.
Zusammen heiligen diese Feste das Jahr. Sie verwandeln den Lauf der Zeit in einen Rhythmus der Gnade – in einen Kalender der Kommunion –, damit Israels Geschichte, Arbeit und Ruhe alle an Gottes Heiligkeit teilhaben.
Wo ist das Evangelium?
Jesus erfüllt nicht nur heilige Menschen und heilige Orte, sondern auch heilige Zeit. Er trat genau in dem Moment in die Geschichte Israels ein, den Gott bestimmt hatte, um die ganze Menschheitsgeschichte zu allen Zeiten für seine Herrschaft auszusondern.
Beim Pessachfest teilte Jesus ein Bundesmahl mit seinen Jüngern und eröffnete damit der ganzen Menschheit den Zugang zu einem Bundesmahl mit Gott. Brot und Wein an diesem Tisch wurden zum Zeichen eines neuen Bundes, der Gottes Volk an ihn selbst bindet und besiegelt.
In Erfüllung des Festes der Erstlingsfrüchte stand Jesus von den Toten auf – die erste Ernte einer erneuerten Schöpfung (1. Korinther 15,20). Seine Auferstehung heiligte die Zeit selbst und richtete den Strom der Geschichte auf das Auferstehungsleben hin aus.
Fünfzig Tage nach Pessach, am Fest der Wochen, kam Gott auf sein Volk herab, wie er es damals am Berg Sinai getan hatte. Einst gab Gott das Gesetz auf Stein und bestimmte sein Bundesvolk durch äußere Gebote. Doch an Pfingsten werden die Menschen mitten ins Herz getroffen, denn Gott führt Menschen in seinen Bund, indem er sein Gesetz innerlich in sie hineinschreibt. Heilige Zeit und heiliges Volk begegnen sich, als der Geist die Kirche mit göttlicher Gegenwart erfüllt und sie damit zum heiligen Ort Gottes macht.
Wie in jedem siebten Monat wird die Trompete bei Jesu Wiederkunft erneut erklingen und die Schöpfung zum Erwachen rufen, während er sein Werk der Erneuerung vollendet (1. Korinther 15,52). Dann, bei den letzten Laubhütten-Festspielen, werden wir sehen: „Gottes Wohnung ist bei den Menschen“ (Offenbarung 21,3). Was einst in Hütten aus Palmzweigen gefeiert wurde, wird ewige Wirklichkeit sein – die Welt selbst wird zu Gottes Tabernakel.
Durch Jesus wird die Zeit selbst heilig. Jeder Augenblick wird zu einer Gelegenheit, sich an Gottes Gläubigkeit zu erinnern und seine kommende Fülle zu erwarten. Jesus verwandelt nicht nur, wo wir Gott begegnen, sondern auch wann – und macht jeden Atemzug und jede Jahreszeit zu heiliger Zeit.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir Augen gibt, den Gott zu sehen, der nicht nur Menschen und Orte heiligt, sondern den Lauf der Zeit selbst. Und mögest du Jesus als den erkennen, der in die Geschichte eintrat, um sie heilig zu machen, und der die ganze Geschichte und Zukunft der Menschheit unter seine Herrschaft stellt.

