Was geschieht hier?
Das Lager Israels ist rings um den Tabernakel aufgestellt worden. Doch nun, anstatt Menschen darum herum zu ordnen, beginnt Gott, Menschen aufzufordern, es zu verlassen. Denn nur was rituell rein ist, darf in der Nähe von Gottes heiliger Gegenwart bleiben (4. Mose 5,1-3). Wenn Israel Eden durch die Wüste und nach Kanaan tragen soll, muss sein Lager die Heiligkeit des Gottes widerspiegeln, der mitten unter ihnen wohnt.
Um diese Reinheit zu bewahren, werden vier Rechtsbereiche behandelt: unreine Menschen, Wiedergutmachung für begangenes Unrecht, eheliche Treue und freiwillige Gelübde der Weihe.
Zuerst werden die rituell Unreinen – jene, die von Krankheit, Körperausflüssen oder der Berührung mit dem Tod betroffen sind – aus dem Lager hinausgeschickt (4. Mose 5,2). Das sind keine moralischen Verfehlungen, sondern Erinnerungen daran, dass Tod und Verfall nicht zum heiligen Leben Edens gehören, das Israel ausbreiten soll, während es Eden im Tabernakel mit sich trägt.
Zweitens wird das Wiedergutmachungsopfer noch einmal wiederholt. Wenn jemand einem anderen Unrecht tut und dieses Unrecht erkennt, muss er es bekennen, Ersatz leisten und ein Fünftel hinzufügen, um den angerichteten Schaden zu beheben (4. Mose 5,6-7). In einem Lager, in dem Gottes Rechtschaffenheit sichtbar werden soll, müssen zerbrochene Beziehungen wieder heil werden.
Drittens folgt eine ungewöhnliche Probe bei Verdacht auf Ehebruch. Wenn ein Ehemann glaubt, seine Frau sei ihm untreu gewesen, ihm aber der Beweis fehlt, trinkt die Frau eine Mischung aus Wasser und Staub vom Boden des Tabernakels (4. Mose 5,17). Weil Adam aus Staub gemacht wurde, würde die Frau auf wunderbare Weise krank werden, um zu offenbaren, dass in ihr bereits Leben war. Geschieht aber nichts – was zu erwarten ist –, wird die Frau für unschuldig erklärt. Es geht hier nicht um Aberglauben, sondern um einen öffentlichen und wunderbaren Appell an den Gott, der weiß, was in jedem Herzen verborgen ist.
Viertens kommt das Nasiräer-Gelübde (4. Mose 6,1-21). Jeder Mann und jede Frau konnte dieses zeitlich begrenzte Gelübde ablegen, um für Gott ausgesondert zu sein. Sie mieden Wein, kamen nicht mit dem Tod in Berührung und schnitten ihr Haar nicht. Diese sichtbaren Einschränkungen machten ihre tiefere geistliche Absicht deutlich: ganz und gar der Gegenwart Gottes gewidmet zu sein.
Der Zweck hinter all diesen Geboten ist klar: „Die Israeliten dürfen ihr Lager nicht unrein machen, denn dort wohne ich mitten unter ihnen“ (4. Mose 5,3). Israel soll rein bleiben, damit es Gottes Gegenwart zu den Völkern tragen kann. Israels Heiligkeit ist nicht nur um seiner selbst willen da. Sie bewahrt seinen Auftrag. Israels Lager ist ein wanderndes Eden. Wenn es die Finsternis Kanaans verdrängen und durch Gottes Gegenwart ersetzen will, muss sein eigenes Lager zuerst heilig sein.
Wo ist das Evangelium?
Wie Israel leben auch wir heute in der Nähe von Gottes Gegenwart – mitten in einer Welt voller Unreinheit, verborgener Sünde und Tod. Das ist nur durch das Werk von Jesus möglich.
Wir sind, wie Israel, untreu gewesen. Aber Jesus, unser treuer Ehemann, behandelt uns nicht so, wie wir es verdienen. Als Jesus einer Frau begegnete, die beim Ehebruch ertappt worden war, ließ er sie nicht Staub trinken, sondern schrieb in den Staub (Johannes 8,3-11). Obwohl er die Geheimnisse ihres Herzens kannte, legte er die Sünde in den Herzen all derer offen, die dastanden, um sie anzuklagen. In seiner Barmherzigkeit vergibt Jesus der ehebrecherischen Frau, statt sie zu verurteilen.
Anstatt andere hinauszustoßen, wurde Jesus selbst hinausgestoßen wie ein Unreiner. Er nahm unsere Unreinheit, Sünde und unseren Tod weg, trug sie hinaus vor das Lager, um sie am Kreuz zu töten. So können wir, statt Tod in die Welt zu bringen, unsere todbringende Sünde töten, indem wir mit Jesus sterben. Als er von den Toten auferstand, brachte er an ihrer Stelle Leben zurück (Hebräer 13,12). Er reinigt uns und macht uns zu Menschen, die wiederherstellen können, was unsere Sünde zerbrochen hat. Wo unser Unrecht in der Welt Schaden angerichtet hat, macht Jesus uns neu, damit wir die Welt heilen und allen Wiedergutmachung bringen, denen wir geschadet haben.
Und Jesus ist der wahre Nasiräer. Er lebte jeden Augenblick völlig für Gott ausgesondert. Er verkörpert ein Leben reiner, freudiger Weihe. Doch anders als bei dem zeitlich begrenzten Gelübde endet seine Hingabe niemals – und durch seinen Geist befähigt er nun auch uns, ein Leben zu führen, das als heilig ausgesondert ist.
Jesus macht uns heilig, damit wir uns Gott ohne Furcht nähern können. Er hält uns rein, damit wir seine Gegenwart tragen können. Er erhält das Lager seines Volkes, damit wir – wie Israel – Edens Leben in eine Welt hineintragen können, die noch vom Tod beherrscht wird.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir Augen gibt, um zu sehen, wie heilig und wie nahe Gott ist. Und dass du Jesus als den siehst, der deine Unreinheit wegnimmt, das Zerbrochene wiederherstellt und dich aussondert, damit du seine Gegenwart überall dorthin trägst, wohin er dich führt.

