Was geschieht hier?
Ein Gläubiger namens Stephanus wurde dafür bekannt, dass er große Wunder und Zeichen unter dem Volk tat (Apostelgeschichte 6,8). Nachdem jüdische Führer ihn fälschlich beschuldigt haben, nehmen sie Stephanus fest und stellen ihn vor Gericht (Apostelgeschichte 6,12). Sie bringen zwei Anklagen gegen ihn vor: dass er die Zerstörung des Tempels verkündet habe und dass er sich gegen das Gesetz des Mose stelle (Apostelgeschichte 6,14).
Zu seiner Verteidigung hält Stephanus die längste Rede im Buch der Apostelgeschichte.
Auf die Anschuldigungen wegen des Tempels antwortet er, indem er immer wieder Begebenheiten nennt, in denen Gott außerhalb Jerusalems und des Tempels erschien und wirkte (Apostelgeschichte 7,2.4.9.15.22.30.36.38.44). Gott ist nicht in „Häuser, die von Menschen erbaut sind“, eingeschlossen (Apostelgeschichte 7,48).
Die führenden Männer am Tempel verurteilen Stephanus außerdem, weil er das Gesetz des Mose gebrochen habe. Doch in Wirklichkeit haben sie und ihre Vorfahren dessen zentrale Lehre immer wieder abgelehnt. Das Gesetz hätte sie einen Nachkommen Abrahams erwarten lassen sollen, der wie Mose das Volk Gottes endgültig retten würde (Apostelgeschichte 7,5.37.39-44). Stephanus deckt den Kreislauf der Ablehnung auf, mit dem Israel Gott und seinen Boten durch seine ganze Geschichte hindurch begegnet ist (Apostelgeschichte 7,52).
Stephanus verkündet, dass dieser verheißene Nachkomme derselbe Jesus ist, den sie am Kreuz getötet haben (Apostelgeschichte 7,52). Doch Stephanus blickt nach oben und sagt, er sehe Jesus als den „Menschensohn“ – auferstanden, voller Verherrlichung und zur Rechten Gottes sitzend (Apostelgeschichte 7,56).
Letztlich ist es das, was Stephanus das Leben kostet, denn es ist ein Hinweis auf die Vision Daniels, in der er einen sieht, der wie ein Menschensohn ist und neben Gott sitzt (Daniel 7,13).
Die führenden Männer am Tempel wollen davon nichts hören (Apostelgeschichte 7,54). Sie schleppen Stephanus auf die Straße und steinigen ihn wegen Gotteslästerung und setzen damit den Kreislauf der Ablehnung ihrer Vorfahren fort (Apostelgeschichte 7,57-58). Die führenden Männer glauben, das Gesetz zu erfüllen (3. Mose 24,14). In Wirklichkeit aber brechen sie es (Apostelgeschichte 7,53).
Wo ist das Evangelium?
Stephanus wird aus einem einfachen Grund gesteinigt: Indem er Jesus als den Menschensohn aus Daniel benennt, behauptet er, dass Jesus Gott gleich ist. Was in den Ohren der führenden Männer am Tempel Gotteslästerung und eine schlechte Nachricht ist, ist für uns – so verblüffend es ist – die Frohe Botschaft.
Stephanus zeigt, dass Gott nicht an den Tempel gebunden ist. Tatsächlich erscheint Gott in der Person Jesu Tausenden von Menschen in den unterschiedlichsten Situationen (Matthäus 15,30).
Jesus erfüllt den Tempel, denn er bringt Gott in Fleisch und Blut nach draußen (Johannes 14,9). Er ist beides: Gott und Mensch (Johannes 8,59). Genau das hat Daniel in seiner Vision gesehen – einen himmlischen Menschen (Daniel 7,13).
Stephanus argumentiert auch, dass er das Gesetz nicht bricht, sondern es gerade erfüllt, indem er bekennt, dass Jesus der verheißene Menschensohn aus dem Alten Testament ist. Das Gesetz zu brechen führt zum Tod, es zu halten aber führt zum Leben (5. Mose 4,1).
Die Rede des Stephanus zeigt: Wir brechen das Gesetz nicht nur, indem wir uns weigern, Gebote zu befolgen, sondern indem wir uns weigern, an den zu glauben, auf den es hinweist – Jesus (Johannes 5,39-40). Das führt zum Tod. Doch das Gegenteil gilt genauso: Wenn wir unser Vertrauen auf Jesus setzen, halten wir das Gesetz, und das führt zum Leben (Galater 3,22).
Wenn wir die Vision des Stephanus teilen und Jesus als Gott sehen, werden wir für immer im ewigen Reich des Menschensohns leben, des ewigen Königs (Daniel 7,14).
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der seine Geschichte seit dem Anfang der Welt erzählt. Und mögest du Jesus als die Vollendung dieser Geschichte sehen.

