Was geschieht hier?
Mit dem Kommen des Heiligen Geistes verkünden die Apostel die Herrschaft von Jesus als dem König, der von den Toten auferstanden ist und nun Vergebung der Sünden und seine Gegenwart durch den Heiligen Geist schenkt (Apostelgeschichte 2,38).
Aber was ist mit dem Tempel? Dort sollte doch Gottes Gegenwart wohnen, und dort wurde Vergebung der Sünden gewährt. Der Tempel kam für Israel der Autorität eines Thrones am nächsten. Das Evangelium von Jesus stellte das infrage.
Die Spannung zwischen Jesus und dem Tempel erreicht in Apostelgeschichte 3–4 ihren Höhepunkt. Als Petrus und Johannes in den Tempel gehen, um zu beten, sehen sie einen Gelähmten, der draußen vor den Toren bettelt (Apostelgeschichte 3,2). Das Gesetz verbot, verkrüppelte Tiere zu opfern, und untersagte Priestern mit einer Behinderung den Dienst (3. Mose 21,21). Doch daraus wurde fälschlich abgeleitet, Menschen mit körperlichen Gebrechen tatsächlich vom Tempel auszuschließen.
Als Petrus und Johannes den Mann im Namen von Jesus heilen, springt er sofort auf und läuft mit Sprüngen direkt in die Tempelhöfe hinein (Apostelgeschichte 3,8). Die Zuschauer sind erstaunt (Apostelgeschichte 3,11). Durch welche Kraft hat Petrus dieses Wunder getan (Apostelgeschichte 3,12)? Petrus erklärt: Jesus hat ihn geheilt (Apostelgeschichte 3,16). Heilung und Erlösung sind nicht mehr im Tempel zu finden, sondern im Namen von Jesus.
Diese kühne Behauptung wird untermauert, als Petrus zeigt, dass alles im Alten Testament – auch die Erwartungen von Abraham, Mose und allen Propheten – in Jesus erfüllt ist (Apostelgeschichte 3,22-25). Seine Auferstehung von den Toten ist der Beweis (Apostelgeschichte 3,15). Der Glaube an das Schlachtopfer von Jesus – nicht Tieropfer – bringt Vergebung und Erneuerung (Apostelgeschichte 3,19).
Die Tempelverantwortlichen sind über diese Lehre aufgebracht und nehmen Petrus und Johannes fest (Apostelgeschichte 4,3). Die Oberen hatten ihr Vertrauen auf ihr Gebäude gesetzt und dabei das Entscheidende verpasst. Petrus zitiert Psalm 118,22, um sie zurechtzuweisen: Jesus ist „der Stein, den ihr Bauleute weggeworfen habt und der zum Eckstein geworden ist“ (Apostelgeschichte 4,11). Der wahre Tempel ist Jesus, den sie verworfen und gekreuzigt haben (Apostelgeschichte 4,10).
Die stärksten Worte folgen danach. Während Petrus in dem Tempel steht, der Gottes Namen trägt (1. Könige 8,29), sagt er: Nur ein einziger Name kann retten – der Name von Jesus (Apostelgeschichte 4,12).
Wo ist das Evangelium?
Jesus ist der neue Tempel. Weil Jesus selbst Gott ist, ist er auch der vollkommenste Wohnort Gottes. Was der Tempel abbildete, verwirklicht Jesus. Mehr noch: Sein Sühnetod vollbringt vollkommen, was die Opfer im Tempel nur andeuteten. Im Tempel mussten täglich Opfer dargebracht werden. Jesus aber ist das endgültige Schlachtopfer, ein für alle Mal (Hebräer 10,10).
Das ist eine Frohe Botschaft für arme und hilflose Bettler wie uns. Jesus kommt zu uns, so wie die Apostel in der Apostelgeschichte zu dem Bettler kamen, und wir müssen nur um Hilfe bitten (Apostelgeschichte 3,3). Wenn wir das tun, müssen wir nicht länger betteln. Wir dürfen mit Freudensprüngen in Gottes Gegenwart hineinlaufen (Hebräer 4,16).
Unsere Sünden werden nicht mehr durch tägliche Opfer vorläufig gesühnt, sondern sind am Kreuz von Jesus vollständig ausgelöscht (Apostelgeschichte 3,19).
Darüber hinaus werden wir selbst zu neuen Tempeln, in denen der Heilige Geist wohnt (Apostelgeschichte 4,31). Wir betteln nicht länger draußen vor dem Tempel der Gegenwart Gottes. Vielmehr sind wir jetzt der Tempel, in dem er gerne wohnt.
Wie Petrus können wir Jesus mit großer Freimütigkeit verkünden – ganz gleich, wer sich uns widersetzt oder gegen uns Pläne schmiedet. Denn wir sind keine ausgestoßenen Bettler mehr; wir sind mit dem Geist Gottes erfüllt (Apostelgeschichte 4,25-26.31).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Vollmacht über jedes Ereignis, jede Institution und jede Macht hat. Und mögest du Jesus als den erkennen, dem Gott alle Vollmacht übertragen hat und der seine Macht dazu gebraucht, zu vergeben, zu heilen und uns in seine Nähe zu bringen.

