Was geschieht hier?
Gott hat neun Plagen geschickt, die Ägypten lahmgelegt haben. Doch keine von ihnen hat den Pharao von Ägypten dazu gebracht, Gottes Volk aus der Sklaverei zu entlassen. Deshalb bereitet Gott eine letzte Plage vor, um die Freiheit seines Volkes zu sichern (Exodus 11,1-3). Mose warnt den Pharao: Genauso wie Ägypten unzählige hebräische Söhne im Nil ertränkt hat, wird jeder männliche Erstgeborene, der in Ägypten lebt, sterben – ob Mensch oder Tier (Exodus 11,4-6). Der Pharao muss Gottes Volk ziehen lassen, sonst werden seine Dynastie und sein Königreich dezimiert (Exodus 11,7-8). Doch das Herz des Pharaos bleibt verstockt (Exodus 11,9-10).
Bei den ersten neun Plagen bewahrte Gott sein Volk auf übernatürliche Weise vor der Zerstörung durch Stechfliegen, Heuschrecken, Geschwüre und Hagel, ohne dass es dafür irgendetwas tun musste. Doch bei der kommenden letzten Plage ist Gottes Volk aufgerufen, sich aktiv selbst zu schützen. Um von der letzten Plage verschont zu bleiben, sollen sie – so sagt Gott – ein Opferlamm zubereiten, sein Blut an die Türpfosten ihres Hauses streichen und das Lamm eilig essen, als könnte ihre Befreiung jeden Augenblick kommen (Exodus 12,1-11). Wenn Gottes Plage kommt, wird er das Blut sehen und an diesen Häusern vorübergehen (Exodus 12,12-13.21-23). Gott verspricht, dass das Blut eines Lammes sein Volk vor Schaden bewahren und ihm die Freiheit sichern wird.
Nachdem diese Anweisungen ergangen sind, hört Gottes Volk darauf. Das Blut vieler Lämmer wird vergossen. Dann kommt die Plage um Mitternacht, und jeder Erstgeborene, der nicht durch das Blut geschützt ist, stirbt (Exodus 12,29-30). Gebrochen und trauernd über den Verlust seines Königreichs und seines Sohnes lässt der Pharao Gottes Volk endlich ziehen (Exodus 12,31-32). Die Ägypter wollen die Israeliten so dringend loswerden, dass sie ihnen so viel Gold, Silber und Kleidung geben, wie diese ehemaligen Sklaven tragen können (Exodus 12,33-36). Endlich, nach 430 Jahren Sklaverei, bricht Gottes Volk als freie Menschen zu seiner neuen Heimat auf (Exodus 12,37-42).
Immer wieder unterbricht der Autor von 2. Mose diese Erzählung mit Gesetzen. Diese Gesetze beschreiben genau, wie Israel die Befreiung, die Gott für sein Volk erwirkt hat, fortwährend in Erinnerung halten und feiern soll. Gott bestimmt, dass ein siebentägiges Pessachfest den Beginn jedes neuen Jahres markieren soll (Exodus 12,17-20). Während des Festes soll jeder ein Lamm schlachten, ohne ihm die Knochen zu brechen, und es mit Brot essen – genau wie ihre Vorfahren es in der Nacht vor ihrem Exodus taten (Exodus 12,24-27; Exodus 12,43–13,9). Israels Freiheit prägte nicht nur den Kalender, sondern auch die Familien und die Höfe. Gott befreite sein Volk um den schrecklichen Preis der erstgeborenen Söhne und Tiere Ägyptens. Israels Erstgeborene wurden allein wegen des Blutes eines Lammes verschont. Von diesem Zeitpunkt an sollten daher erstgeborene Tiere als Schlachtopfer ausgesondert werden, und nach der Geburt jedes erstgeborenen Sohnes sollte ein Schlachtopfer dargebracht werden (Exodus 12,13; 13,10-16). Gottes Volk ist endlich von seinen Unterdrückern befreit. Deshalb sorgen die ersten Gesetze, die Gott seinem Volk gibt, dafür, dass alles in Israel – vom Kalender bis zum Vieh – an den Sieg erinnert und ihn feiert, den Gott durch ein Schlachtopfer für sein Volk errungen hat.
Wo ist das Evangelium?
Das Pessach ist das prägende Ereignis für Gottes Volk. Von diesem Augenblick an wird sich das ganze Leben Israels als Volk um die Frohe Botschaft von seinem wunderbaren Exodus, vom schrecklichen Verlust an Leben und vom blutigen Lamm drehen; es wird sie in Erinnerung halten und immer wieder vergegenwärtigen. Doch Gottes Befreiung seines Volkes in Ägypten gibt zugleich das Muster vor, nach dem Gott alle Menschen von den Mächten retten wird, die die ganze Menschheit versklaven.
Auch wir sind noch versklavt – vielleicht nicht einem autoritären Herrscher, aber der Macht des unausweichlichen Todes. Wie der Pharao wird der Tod uns niemals ziehen lassen. Und wie die Israeliten haben wir kaum Hoffnung zu entkommen, wenn niemand uns rettet. Deshalb sandte Gott – nach dem Muster, das er im Exodus vorgegeben hat – seinen erstgeborenen Sohn in die Welt, um zu sterben (Johannes 3,16). Einer der ersten Nachfolger Jesu kündigte ihn als das „Lamm Gottes“ an, das uns von unserem unausweichlichen Tod befreien würde (Johannes 1,29). Darum starb Jesus während des Pessachfestes und sagt seinen Jüngern, dass sein Blut vergossen wird, damit sie der Plage des Todes entkommen und leben können (Lukas 22,7-8.19-20). Sie selbst müssen dabei aktiv an einem Mahl aus Brot und Blut teilnehmen. Genau wie die hebräischen Familien ihre geschlachteten Lämmer in der Hoffnung auf Erlösung aßen, sollen die Jünger essen und trinken in der Hoffnung auf ihre eigene Erlösung. Jesus kam, um die ganze Menschheit aus unserer Sklaverei unter dem Tod zu befreien. Er tut es um den schrecklichen Preis seines eigenen Lebens. Doch so wie Israel sich aus der Sklaverei erhob und zu einer neuen Heimat aufbrach, so ist Jesus von den Toten auferstanden. Jesus ist der einzige Mensch der Geschichte, der starb und auferstand, um nie wieder zu sterben. Jesus hat die Macht des Todes für immer gebrochen. Die Befreiung, die Jesus vollbringt, ist ewig.
Das Blut des Lammes mit Namen Jesus hat Gottes Volk für immer vom Tod befreit (Offenbarung 12,11). Sein Tod und seine Auferstehung sind die neuen prägenden Ereignisse für Gottes Volk. Und so wie Gott das ganze Leben Israels als Volk dazu berief, sich um die Frohe Botschaft seines Exodus zu drehen, sie in Erinnerung zu halten und sie immer wieder zu vergegenwärtigen, so sind die Nachfolger Jesu berufen, ein Leben zu führen, das sich um die Frohe Botschaft von Jesus dreht, sie in Erinnerung hält und sie immer wieder vergegenwärtigt. Darum beginnt jede Woche mit einem Sonntagsmahl aus Brot und Wein, das an Jesu Tod für uns erinnert und ihn immer wieder vergegenwärtigt (1. Korinther 11,23-25).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der sein Volk rettet. Und mögest du Jesus als das Pessachlamm erkennen, dessen Blut uns für immer die Freiheit vom Tod verbürgt.

